Prüfer der „Einarmigen Banditen“

Gemeinsam mit Björn Beike (hinten) wird die Front des Automaten überprüft.Fotos (2):
Kreis Steinfurt. Bei „Einarmigen Banditen“ muss alles mit rechten Dingen zugehen. Dafür sorgt Jürgen Hillenkötter aus Emsdetten. Er ist der erste bei der Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen vereidigte Sachverständige der Region für Geldspielgeräte.
„Nach der alten Spieleverordnung waren die Geräte für vier Jahre gewerblich zugelassen“, erzählt der 57-Jährige. Danach mussten sie entsorgt werden oder fanden in privaten Partykellern neue Standorte. Seit Januar 2006 hat sich das geändert. Die neuen Geräte, die 5000 Euro und mehr kosten und seit April 2006 auf dem Markt sind, müssen alle zwei Jahre von Sachverständigen wie Jürgen Hillenkötter überprüft werden.

Mit einem Laptop liest Jürgen Hillenkötter die Daten der Kontrolleinrichtung.
„Durch die Sicherheitstechnik bin ich in das Automatengeschäft gekommen“, erinnert sich der Informationselektroniker, Fernmeldemeister und Industrie-Informatiker an die Anfänge. Er wurde von Aufstellern gefragt, ob er in der Lage sei, Automaten zu reparieren. „Die technische Qualifikation der Aufsteller war damals schlecht“, so der Sachverständige.
Automatenfachmann ist heute ein anerkannter Lehrberuf mit drei Ausbildungsjahren. Dabei geht es nicht nur um Geldspielgeräte. Automatenfachleute nehmen Automaten in Betrieb, leeren und befüllen sie. Sie sorgen für die Wartung der Geräte, beraten Kunden und üben kaufmännische oder technische Tätigkeiten aus. Sie arbeiten in Unternehmen der Automatenwirtschaft, zum Beispiel bei Herstellern von Waren-, Getränke-, Verpflegungs- oder Unterhaltungsautomaten. Auch bei Automatenbetreibern sind sie beschäftigt, etwa in Verkehrsunternehmen, Parkhausbetrieben oder Geldinstituten.
Die Automatenaufsteller sind es auch gewesen, die Jürgen Hillenkötter gedrängt haben, Sachverständiger für Geldspielgeräte zu werden.
Der Emsdettener stellte einen entsprechenden Antrag bei der IHK. Seine Integrität wurde festgestellt. Danach begannen die Schulungen und Prüfungen. Den praktischen Teil legte Hillenkötter, der eine Firma für Alarmlagen und Sicherungssysteme betreibt, in Berlin ab. Dort wurden in die Spielgeräte Fehler eingebaut, die er finden musste. Die letzte Prüfung bestand Hillenkötter am 7. Juli 2008.
„Noch im April dieses Jahres gab es in ganz Deutschland erst drei Prüfer für die Geldspielgeräte“, berichtet Hillenkötter weiter, als er in einem Steinfurter Imbiss ein Gerät überprüft. Rund 200 000 Spielautomaten sind in Deutschland zu gewerblichen Zwecken aufgestellt, davon rund 40 000 neuer Bauart. „Allein im Kreis Steinfurt stehen mehrere 1000 Geräte, ist der Automatenaufsteller Björn Beike von der Firma GKBS Automaten Beike mit Niederlassungen in Hörstel und Emsdetten überzeugt.
189 verschiedene Typen hat Hillenkötter in seinem Laptop. Er überprüft zum Beispiel die Auszahlung von Geldbeträgen und ob die Kontrolleinrichtung, das Herzstück der Geräte, funktioniert. Ohne Laptop geht es dabei nicht, denn verschiedene Codes müssen gelesen werden, um festzustellen, ob der Automat intakt ist. Anhand einer Checkliste wird die Übereinstimmung mit den Gerätedaten und dem Zulassungsschein überprüft, den die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Berlin ausgestellt hat. Außerdem wird getestet, ob die Knöpfe für die Bedienung der Geräte funktionieren.
Hillenkötter selbst sieht sich in seiner neuen Aufgabe, die er am 1. Oktober übernommen hat, als Partner der Automatenaufsteller. „Ich kenne deren Sorgen und Nöte. Den Aufstellern geht es wirtschaftlich nicht gut, zumal auch hohe Steuern die Betreiber belasten“, betont der Sachverständige . Über die Steuerschraube die Suchtgefahr eindämmen zu wollen, hält Hillenkötter, der selbst nicht zockt, für den falschen Weg.