Zuchtstute Conny trägt seit der Schnittverletzung einen Druckverband. Fotos (2): (abi)
Horstmar/Kreis Steinfurt - „Wir haben alle Angst“, fasst Ruth Höner die Stimmung in Reiterkreisen nach dem jüngsten Fall der Tierquälerei im Horstmarer Ortsteil Leer zusammen. Die passionierte Reiterin aus Laer, die schon seit 50 Jahren im Sattel sitzt und ein eigenes Pferd hat, ist entsetzt, dass die unbekannten Täter jetzt auch im Nachbarort zugeschlagen haben. Dort wurden in der Nacht zu Samstag zwei Zuchtstuten auf dem Reiterhof von Silvia Palster durch Messerstiche verletzt (die WN berichteten).
„Die das gemacht haben, müssen sich mit Pferden auskennen, denn normalerweise kommen Fremde gar nicht so nah an die Tiere heran“, meint die Reiterin, die ihr Pferd nachts immer in die Halle holt. „Tagsüber kann nichts passieren“, hofft sie, dass die Vorfälle sich nicht noch in anderen Orten wiederholen.
„Die müssen zu zweit sein“, vermutet sie, dass einer das Pferd festhält und der andere zusticht. Anders könne es gar nicht sein, denn die Tiere ließen sich nicht so leicht von Menschen drangsalieren. „Sie drehen sich um und schlagen aus. Außerdem sind sie verdammt schnell“, weiß die Laererin aus eigener Erfahrung. Sie und ihr Mann, der Tierarzt ist, können sich nicht daran erinnern, dass es solche Tierquälereien in Serie im Umkreis in den vergangenen Jahren gegeben hat.
„Wir können es nicht ausschließen“, erklärt Pressesprecher Udo Potthoff von der Kriminalpolizei auf die Frage der WN, ob es sich in den Fällen an den drei verschiedenen Standorten Nordwalde, Altenberge und Horstmar-Leer um Serientäter handelt. Es könnte sich aber auch um Trittbrettfahrer oder Einzelfälle handeln, gibt er zu bedenken. Die Tierschänderei in der Häufigkeit habe alle Kollegen sensibilisiert, schildert er die Folgen der schockierenden Vorkommnisse, die besonders Reiterhöfe, Reitvereine, aber auch Besitzer von Privatpferden in Angst und Schrecken versetzt haben.
„Wachsam sein“, lautet Potthoffs dringender Appell an alle Polizeibeamte und Tierhalter. So sei die Kripo auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. „Verdächtige Beobachtungen sollten der Polizei sofort gemeldet werden“, rät der Pressesprecher allen Bürgern, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Vorsichtsmaßnahmen könne die Polizei kaum treffen, denn dazu gäbe es zu viele Pferde im Kreis Steinfurt. „Sie können nicht alles bewachen“, weist er auf die Grenzen der Ordnungs- und Hilfsbehörde hin.
„Das geht wirklich nicht“, bestätigt auch Silvia Palster, die sich von ihrem ersten Schock am Samstag inzwischen ein wenig erholt hat. Sie hätte auf die Hunde hören sollen, die nachts angeschlagen haben, bekennt die Leerer Pferdezüchterin im Nachhinein. Doch sie habe dem nächtlichen Gebell nicht so viel Bedeutung beigemessen. „Allerdings wäre ich im Dunkeln auch nicht alleine auf die weiter entfernte Weide gegangen“, gibt die Reiterin zu bedenken, dass sie alleine Angst gehabt hätte. 35 Zucht- und Dressurpferde, Ponys und Fohlen gehören zum Hof.
„Unsere Tiere sind zahm“, wundert sie sich nicht, dass die Täter so nah an die Vierbeiner herangekommen sind. Da die Schnittwunden bei Conny und Chellana - so heißen die beiden verletzten Pferde - nicht so tief waren, hat die Züchterin auf einen Tierarzt verzichtet. „Das kostet jedes Mal Unsummen“, begründet die junge Mutter.
Nein, sie habe die Tiere auch nicht von der Weide genommen, erklärt sie angesprochen auf mögliche Vorsichtsmaßnahmen seitens des Reiterhofes. Die Pferde kämen erst zum Winter in den Stall. Außerdem ständen sie viel zu gerne draußen.
Nach der Tierquälerei hat es auf dem Hof Palster in der Bauerschaft Halter viele besorgte Anrufe aus Reiterkreisen gegeben. Mit Gauxmann und Hölscher existieren allein schon in Leer zwei Reitvereine. „Ich habe auch selbst telefoniert und Kollegen gewarnt“, erklärt die Reiterin, die sich nicht erklären kann, wer zu solchen Taten fähig ist. „Das müssen ganz kranke Menschen sein“, befürchtet auch Ruth Höner. Wie die Betroffenen in Nordwalde, Altenberge und Leer hofft sie, dass die Tierquäler bald gefasst werden, damit alle Reiter und Pferdefreunde aufatmen und ihre Tiere wieder ohne Sorgen auf die Weiden lassen können.