Vom rohen Fell zum Lederprodukt


Gastgeber Elmar Vill (l.) stellte den Mitgliedern des Horstmarer Heimatvereins den Weg vom rohen Fell zum fertigen Produkt vor.Foto:
Gastgeber Elmar Vill (l.) stellte den Mitgliedern des Horstmarer Heimatvereins den Weg vom rohen Fell zum fertigen Produkt vor.Foto:
(Anton Janßen)


Horstmar - Den spannenden Prozess vom rohen Fell bis zum fertigen Produkt erlebten jetzt die Horstmarer Heimatfreunde während einer Besichtigung der Gerberei Vill. Dort begrüßte Elmar Vill die Besucher. Er stellte ihnen die Wasserwerkstatt vor, in der die Häute vorbereitet, dass heißt von den Haaren (nur bei der Lederherstellung) und dem noch anhaftenden Fett und Fleisch befreit werden. Dabei durchlaufen die Felle eine ganze Reihe verschiedenster Vorrichtungen, die der Gastgeber ausführlich beschrieb und vorführte. Zudem ging er auf die Geschichte der Gerberei ein, die 2010 ihr 200-jähriges Bestehen begeht. Zum Teil wird hier noch nach den alten Rezepten handwerklich gearbeitet. Die Produktpalette habe sich allerdings vor allem seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erheblich geändert, so Vill. Sei früher vor allem Leder für Sattler und Schuhmacher, dann für Lederbekleidung, aber auch Möbelüberzüge, Schuhe und Taschen hergestellt worden, so wurde dieser Produktionszweig ab Mitte der 60er Jahre vollständig eingestellt. So konnte entsprechendes Leder viel billiger aus Ländern importiert werden, in denen Umwelt- und Arbeitsschutz einen geringeren Stellenwert haben und niedrigere Löhne gezahlt werden. So sei das heutige Tätigkeitsfeld vor allem die Lohngerbung von Fellen unterschiedlichster Art, worauf er sich spezialisiert habe.

Von der großen Vielfalt und auch Menge der fertigen beziehungsweise der noch in Arbeit befindlichen Felle - da fehlte keine jagdbare Wildart - waren die Heimatfreunde überrascht und begeistert zugleich. Auch die Konfektionierung bestimmter Fellprodukte führte Elmar Vill vor. Dabei zeigte der Experte auch die Problematik der Konkurrenz importierter Produkte an anschaulichen Beispielen, auch von Kinderarbeit, auf. Schließlich gab es noch spezielle Lederkunde, wobei der Hausherr erläuterte, dass längst nicht alle mit „echt Leder“ bezeichneten Produkte ausschließlich aus Leder bestehen. So werden innere und untere Schichten von Spaltleder mit einer Kunststoffschicht überzogen. Sogar aus dem beim Schleifen anfallenden Lederpulver würden in Fernost „Lederprodukte“ hergestellt, wofür er auch ein krasses Beispiel zeigte.





15 · 09 · 09





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