Fit durch das Jahr



Sein Rennrad war der Türöffner


Für Bärbel und Manfred Albrecht ist Sport ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Beide sind leidenschaftliche Radfahrer, er ist seit 25 Jahren auch Läufer. Foto:
Für Bärbel und Manfred Albrecht ist Sport ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Beide sind leidenschaftliche Radfahrer, er ist seit 25 Jahren auch Läufer. Foto:
(oh)


Greven - Sportlich ging es schon los, als sich die beiden kennenlernten. Sie (unerfüllter Kindheitsraum: ein Rennrad besitzen) traf Ihn. Und was hatte der in seiner Studentenbude stehen? Ein Rennrad. In der Küche.

Das allein wird nicht ausgereicht haben, um sie von seinen Vorzügen zu überzeugen, aber es hat ihm Pluspunkte eingebracht. Eindeutig. Fortan teilten sie ihr Leben miteinander - und damit auch die Leidenschaft für den Sport.

Sie: Das ist die 43-jährige Architektin Bärbel Albrecht, die in jungen Jahren zehn Jahre Fußball spielte und heute leidenschaftliche Rennradfahrerin ist. Er: Das ist der 53-Jährige Apotheker Manfred Albrecht, den neben dem Radfahren auch die Liebe zum Laufen auf Trab hält. Sie will in diesem Jahr am Münsterland-Giro teilnehmen, er am Münster-Marathon.

Dabei will Bärbel Albrecht ihr Faible fürs Radfahren nicht zu hoch bewertet wissen. Von sportlichen Ambitionen spricht sie ungern. „Wenn die Nachbarn das lesen, lachen die da drüber“, sagt sie. Die seien nämlich „richtige“ Rennradfahrer. „Ich mache das eigentlich nur, um mich fit zu halten.“ Um sich zu motivieren, sei hin und wieder allerdings mal eine sportliche Herausforderung nötig, auf die man sich vorbereiten müsse. So wie demnächst: Da steht die Teilnahme an einer Tour von Münster nach Venlo auf dem Programm. Samstags hin, sonntags zurück, zusammen rund 440 Kilometer. „Bis dahin muss ich Kilometer in den Beinen haben.“ Daher drückt sie momentan beim Training auf die Tube, fährt pro Tour mal locker um die 100 Kilometer. „Das schöne am Radfahren ist für mich, einfach durch die Landschaft zu rollen. Das ist jedes Mal wie ein kleiner Urlaub. Und das dann zwei bis drei Mal in der Woche - was will man mehr?“ Zumal das Münsterland hervorragend fürs Radtraining geeignet sei. Ins Tecklenburger Land, Richtung Baumberge - bei einer mehrstündigen Tour sei der Radius so groß, dass man immer etwas zu sehen bekomme.

Das kann Manfred Albrecht nur bestätigen. „Münsterland und Radfahren - das passt perfekt.“ Seit Studientagen fühlt er sich dem Zweirad verbunden. Doch seit 25 Jahren ist er auch Läufer. „Früher als Jugendlicher habe ich es gehasst. Und auch noch bei der Bundeswehr - da musste man ja.“ Bis er mit Ende 20 doch die Lust am Laufen entdeckte. Der Aasee in Münster war damals sein bevorzugtes Revier. „Es braucht eine Zeit, bis es Spaß macht“, hat er herausgefunden. Spaß, sich zu fordern, den Lauf-Rhythmus zu genießen, das Tempo bestimmen zu können. Aber dann: „Es geht Dir besser, Du fühlst Dich fitter.“ Den viel beschworenen Endorphinen begegnen Hobbyläufern nach seiner Erfahrung zwar nur selten. „Ein Glücksgefühl stellt sich aber schon ein - und Stolz, wenn man eine bestimmte Strecke geschafft hat.“

Und wenn der Sport mal ausfallen muss? „Das ist Käse“, sagt Manfred Albrecht schmunzelnd. Zumal der Sport ihm hilft, die Rückenschmerzen zu kontrollieren, die ihn seit einem schweren Unfall plagen. „Der Mensch ist zum Laufen geboren“, sagt der Sportbegeisterte, der manchen Kunden seiner Apotheke schon mal den Ratschlag mit auf den Weg gibt, zur Gesundung die Laufschuhe zu schnüren.

Trotz seines Faibles hat es bislang noch nicht für die eigene Teilnahme an einem läuferischen Groß-Event gereicht. Der „Makel“ soll in diesem Jahr getilgt werden. Der Münster-Marathon im September dominiert das Trainingsjahr. Nur ankommen reicht ihm dabei nicht. Eine anständige Zeit - sprich unter vier Stunden - sollte schon drin sitzen. Die Distanz hat er im Wettkampf noch nicht gelaufen, wohl aber im Training vier Stunden am Stück zurückgelegt. „Daher weiß ich, dass ich es drauf habe“, gibt sich der zweifache Familienvater selbstbewusst. Schon im Winter begann er mit der Vorbereitung. „Ich habe ein Laufband in der Apotheke stehen. Zuhause wäre das viel zu laut. Aber dort im Büro störe ich abends keinen.“

Wie kriegt man Jobs, Sport und Familie unter einen Hut? „Irgendwie geht es immer. Man muss sich halt absprechen“, sagt Bärbel Albrecht. Was allerdings oft zu kurz kommt, ist das gemeinsame Sport treiben. Einer von beiden muss halt auf den Nachwuchs aufpassen.

Die Albrecht´sche Lösung: einen Familienbesuch in Marl nutzen sie schon mal, um in einem Abwasch auch Sport zu treiben. Einer fährt den Hinweg mit dem Auto, der andere mit dem Rad. Auf dem Heimweg werden die Rollen - respektive die Fahrzeuge - getauscht. „Das geht. Man muss nur aufpassen, dass man die Strecke ohne Gegenwind erwischt“, sagen beide schmunzelnd.

VON OLIVER HENGST, GREVEN


27 · 05 · 11




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