Fahrt endet im Nirgendwo


Trotz gültiger Fahrscheine wurden zwei Grevener Jugendliche aus dem Zug komplimentiert, weil sie keine Personalausweise vorzeigen konnten.
Trotz gültiger Fahrscheine wurden zwei Grevener Jugendliche aus dem Zug komplimentiert, weil sie keine Personalausweise vorzeigen konnten.
(Foto: pbe)


Greven. Minderjährige, die von Bahnmitarbeitern wegen vermeintlich ungültiger Fahrscheine aus dem Zug geworfen und im Nirgendwo zurückgelassen werden - damit haben auch zwei Grevener Familien ihre Erfahrungen machen müssen. Der Vorfall liegt zwar schon mehr als ein Jahr zurück, die Eltern der beiden Jugendlichen sind jedoch noch heute verärgert.

Die beiden damals 14-jährigen Grevener Hagen Busjan und Julian Heitmann waren Ende Juli 2007 auf der Strecke von Essen nach Münster unterwegs. In der Ruhrgebietsstadt hatten sie eine Freizeiteinrichtung besucht. Mit dem NRW-Ferienticket in der Tasche fühlten sie sich auf der sichereren Seite: Da sie bei der Kontrolle im Zug jedoch keine Personalausweise vorweisen konnten, wurden sie von Bahnbediensteten „aus dem Zug geschmissen“, empören sich die Eltern. Dabei gelte die Ausweispflicht in Deutschland doch erst ab 16 Jahren, laut Ticketaufdruck müsse man sich ab 15 Jahren ausweisen können. Den 14-jährigen Jugendlichen sei also kein Vorwurf zu machen. „Die Jungen waren sehr verschreckt und verunsichert“, erinnern sich die Mütter Elisabeth Busjan und Sabine Heitmann. „Sie wurden vor allen Leuten bloßgestellt und wie Schwarzfahrer behandelt - trotz gültiger Fahrausweise. Zu dem Zeitpunkt waren die Jungs erst 14 Jahre alt und wurden irgendwo in der Pampas in den Abendstunden aus dem Zug geworfen“, ärgern sich die Eltern, die angeben, sehr besorgt gewesen zu sein, „als die Jungen zur vereinbarten Zeit nicht in Greven am Bahnhof waren.“ Nach einer wahren Bahn-Odyssee seien sie schließlich mit zweieinhalb Stunden Verspätung am Heimatbahnsteig eingetroffen. Die Eltern bewerten das Vorgehen der Bahn „als grob fahrlässiges Handeln in Anbetracht der Tatsache, dass den beiden einiges hätte zustoßen können“. Die Jungs seien an einem Dorfbahnhof, deren Namen sie nicht kannten, abgesetzt und ihrem Schicksal überlassen worden.


Nachdem sich die verärgerten Eltern schriftlich bei der Bahn beschwert hatten, habe sich das Verkehrsunternehmen entschuldigt. Der Bedienstete, der sich wohl nicht zum ersten Mal so verhalten hatte, sei freigestellt worden, teilte die Bahn mit. Die anderen Bahnmitarbeiter seien angewiesen worden, in solchen Fällen mehr Weitsicht walten zu lassen, den Eltern wurde versprochen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen werde. Was diese zunächst glaubten - bis sich in den vergangenen Tagen Medienberichte über ähnliche Vorfälle häuften. Nun kommen die verärgerten Eltern zu dem Schluss: „Dieses Vorgehen scheint ja bei der Bahn gang und gäbe zu sein.“

VON OLIVER HENGST, GREVEN


13 · 11 · 08





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