„Das vergisst man sein ganzes Leben nicht“


Im Hintergrund sind die Plakate der Ausstellung zu sehen, die ab sofort in der Hauptschule hängen. Auch Schulleiter Bernhard Westhues (r.) erzählte den Schülern viel über den Mauerfall.Foto:
Im Hintergrund sind die Plakate der Ausstellung zu sehen, die ab sofort in der Hauptschule hängen. Auch Schulleiter Bernhard Westhues (r.) erzählte den Schülern viel über den Mauerfall.Foto:
(ael)


Altenberge - Bernhard Westhues kam es so vor, als wäre es erst gestern gewesen. „Dabei feiern wir in diesem Jahr mit 20 Jahren Mauerfall so etwas wie ein Jubiläum.“ Im Gegensatz zu seinen Schülern der Klasse 9, die vor 20 Jahren noch gar nicht geboren waren, saß Westhues am 9. November 1989 wie so viele Millionen Deutsche live vor dem Fernseher, als in Berlin Geschichte geschrieben wurde und die Mauer fiel.

Gestern Morgen bekamen die Neuntklässler der Ludgeri-Hauptschule Gelegenheit, mehr über dieses wichtige Kapitel der deutschen Geschichte zu erfahren. Im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „20 Jahre Mauerfall“, die vor acht Wochen bereits im Rathaus zu sehen war, erzählte ihnen Ronald Baumann vom SPD-Ortsverein in einer Präsentation, „was die Menschen damals dazu gebracht hat, auf die Straße zu gehen und zu sagen: Wir haben die Nase voll von der DDR“.


Mit dabei im Forum der Hauptschule war auch stellvertretende Bürgermeisterin und SPD-Vorsitzende Ulrike Reifig, die die Plakatausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur an die „Friedliche Revolution“ nach Altenberge geholt hatte. Sie berichtete den Jugendlichen von ihren ganz persönlichen Erfahrungen im geteilten Berlin. „Mit acht Jahren war ich zum ersten Mal dort.“ Reifig erinnerte sich noch gut daran, dass es damals Stunden gedauert hatte, bis sie mit ihrer Familie die Grenze passieren durfte. Die Begegnung mit der Mauer an sich, der Blick auf DDR-Terrain von Aussichtsplattformen aus - „so etwas vergisst man sein ganzes Leben nicht“.

Referent Ronald Baumann erzählte die Geschichte, wie es vor 20 Jahren zum Mauerfall kam, rückwärts, begann mit seinen Ausführungen also am 9. November 1989. Die Filmsequenzen von den Montagsdemonstrationen aus Leipzig, von den Flüchtlingen aus der Prager Botschaft und von der Flucht über Ungarn nach Westdeutschland machten Eindruck auf die Neuntklässler der Ludgeri-Schule. „Gab es eigentlich auch Leute in der DDR, die gar nicht weg wollten?“, fragte ein Schüler am Ende der Präsentation. „Natürlich“, antwortete Ronald Baumann. „Vielen DDR-Bürgern ging es damals auch einfach nur darum, mal einen Blick in den Westen werfen zu dürfen.“ In die bunte Welt, wie die Ostberliner das Leben auf der anderen Seite der Mauer damals genannt hätten. „Oder einfach mal in den Urlaub fahren zu dürfen.“

All das war unter dem DDR-Regime natürlich nicht erlaubt. „Es war schon ziemlich schrecklich“, erzählte Ulrike Reifig nicht nur von den über hundert Toten, die bei Fluchtversuchen erschossen wurden, sondern auch, dass von den 17 Millionen Einwohnern der DDR drei Millionen Spitzel der Staatssicherheit (Stasi) waren. „Das muss man sich mal vorstellen“, erklärte Ronald Baumann. „Es konnte sein, dass beste Freunde einen im Auftrag der Stasi ausspioniert haben.“

Mit der Besichtigung der Exponate in der Pausenhalle der Hauptschule endete für die Schüler der Exkurs in die deutsche Geschichte. Bernhard Westhues glaubte nicht, dass er noch die Vereinigten Staaten von Europa erleben wird. „Aber ich bin sicher, dass Ihr es erleben werdet“, sprach der Rektor zu seinen Schülern. „Durch den Mauerfall hat sich politisch ein Prozess ereignet, der dazu geführt hat, dass wir heute in einem vereinten Europa leben“, so Westhues weiter. „Vor 20 Jahren hätte da keiner im Traum dran gedacht.“

» Zu sehen ist die Ausstellung „20 Jahre Mauerfall“ noch bis zum Beginn der Sommerferien. Alle Altenberger sind eingeladen.



18 · 06 · 09





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