Tragisches Ende eines Ausrittes

Pferd verendet nach mehreren Unfällen - Ermittlungen gegen Mitreiter

Senden-Ottmarsbocholt - Tragisches Ende eines Ausrittes: Ein Pferd hat am Mittwochabend auf der Ascheberger Straße für schwere Unfälle gesorgt. Gegen 18.45 Uhr wurde ein 39-jähriger Mann aus Ascheberg, der mit drei weiteren Reitern unterwegs war, abgeworfen und verletzte sich schwer. Zeitweilig, so die Polizei, bestand für den Mann Lebensgefahr.

Statt einen Rettungswagen zu rufen, sorgten die drei anderen Reiter dafür, dass der Mann mit einer zufällig vorbeikommenden Autofahrerin nach Hause gefahren wurde, wo der Hausarzt angerufen wurde, lautet der Bericht der Polizei.



Das Pferd ist nach den Unfällen verendet.
Das Pferd ist nach den Unfällen verendet.
(Foto: Kreispolizeibehörde Coesfeld)


Der Arzt informierte nach einer ersten Inaugenscheinnahme des Verletzten den Notarzt, der den Verletzten schließlich zur Uni-Klinik Münster brachte. Das freilaufende Pferd wurde an der Ascheberger Straße zuerst in einen Unfall mit dem Pkw eines 61-jährigen Mannes aus Senden verwickelt, lief jedoch verletzt weiter. Danach prallte das Tier auf der L884 frontal mit dem Auto eines 66-jährigen Sendeners zusammen, wo es noch an der Unfallstelle verendete.

Die beiden Pkw-Fahrer blieben unverletzt. Es entstand Sachschaden in Höhe von insgesamt ca. 18.000 Euro. Gegen die drei beteiligten Reiter wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Der genaue Hergang des Reitunfalls ist noch nicht geklärt. "Der Unfall lässt noch viele Fragen offen", betont Polizeisprecher Martin Pollmann gegenüber dieser Zeitung.

Die Beamten ermitteln derzeit noch, wie sich die Begleiter des verunglückten Reiters verhalten haben. Nach derzeitigem Stand, so Pollmann, haben sie ihren Ausritt fortgesetzt und die Polizei nicht darüber informiert, dass ein Pferd ohne Reiter durchgegangen ist. Dass von ihm ein Risiko für den Verkehr ausgehen würde, hätte klar sein müssen.

Anders schildern die Reiter im Gespräch mit unserer Zeitung den Hergang des Ausritts. Die vier Reiter hatten die Fuchsjagd des Reit- und Fahrvereins St. Hubertus Ascheberg vorbereitet. Der 39-Jährige, der aus Ottmarsbocholt stammt, sei vor der Gruppe geritten, die auf Wirtschaftswegen unterwegs war.

Den Reitunfall selbst haben die drei weiteren St.-Hubertus-Reiter, die gemeinsam an der Reithalle in Ascheberg gestartet sind, nicht mitbekommen. Wohl aber Anwohner und Augenzeugen am Rande von Ottmarsbocholt, die sich sofort um den Verletzten gekümmert haben, so schildert es Martin Fallenberg, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins St. Hubertus, der selbst mit im Sattel saß.

Der Vereinskamerad, der von einem vierjährigen Pony abgeworfen wurde, habe Schürfwunden im Gesicht gehabt, sei aber ansprechbar gewesen. Er habe den Wunsch geäußert, zu dem nahe gelegenen elterlichen Hof in Ottmarsbocholt gebracht zu werden. Von dort stammte auch das lebhafte Westfalen-Pony, das noch nicht zu den Schulpferden des Vereins gehörte.
Weil dies durch ein Auto gewährleistet war, hätten die Ascheberger ihren Ausritt fortgesetzt, um das durchgegangene Pony zu suchen. Dass nicht sofort die Polizei alarmiert worden sei, räumt Fallenberg ein. Wie schnell sie sich eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung einhandeln konnten, verstehen die Reiter aber nicht. Sie hätten ihren Reitkollegen ja nicht allein zurückgelassen, sondern wussten, dass er versorgt wird.
Mit der Frau des 39-Jährigen hat Fallenberg am Donnerstagvormittag bereits gesprochen. Danach gehe es dem Verletzten wieder relativ gut. Er bleibe aber noch in der Uniklinik, wo weitere vorsorgliche Untersuchungen anstehen, so der Vorsitzende des Reitervereins.

VON DIETRICH HARHUES, SENDEN


20 · 10 · 11



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