„Knastkinder“: Leid spürbar gemacht


Durch das intensive Spiel der Schülerinnen und Schüler sowie das schlichte Bühnenbild wurde die beklemmende Knastatmosphäre spürbar.Foto: -
Durch das intensive Spiel der Schülerinnen und Schüler sowie das schlichte Bühnenbild wurde die beklemmende Knastatmosphäre spürbar.Foto: -
(wcz-)


Senden - Ein Urlaub in Manila, der Hauptstadt der Philippinen - darunter stellt man sich Sonne, Strand und Palmen vor. Doch für den 13-jährigen Jonathan, Hauptfigur der „Knastkinder“ von Rüdiger Bertram, endet er gar nicht wie erwartet. Die neunte Jahrgangsstufe des Joseph-Haydn-Gymnasiums hatte es sich bei der Premiere des Theaterstückes am Mittwochabend zum Ziel gesetzt, auf die miserable Situation einiger Kinder in diesem Land aufmerksam zu machen.

Denn Jonathan (Thomas Schmid) verirrt sich bei einem Ausflug auf eigene Faust und wird von einer Straßengang aufgegriffen. Ehe er sich versieht, ist er zusammengeschlagen, entkleidet und ausgeraubt. Als ihm eine Gruppe aus drei Straßenkindern helfen will, wird diese wegen des Diebstahls einer Wasserflasche verhaftet und Jonathan gleich mit eingesperrt. Da ihm auch sein Pass gestohlen wurde, hat er keine Chance zu beweisen, woher er kommt und wer er ist.


In den folgenden Szenen beweisen die Jugendlichen eindrucksvoll, wie der Alltag der oft zu Unrecht eingesperrten Kinder im Gefängnis aussieht: Massenzellen, knappe Mahlzeiten, marode Gebäude, Misshandlungen untereinander. Unterstützt wird die beklemmende Atmosphäre im Knast dabei von einem entsprechenden Bühnenbild aus besprayten Wänden und Bauzäunen als Gefängnisgitter.

Unter der Leitung der Religionslehrerinnen Charlotte Gößling und Elisabeth Hopmann zeigen die Schülerinnen und Schüler ein Werk mit einem äußerst ernsten Hintergrund, was sie nach Idee von Jochen Reidegeld auf die Bühne brachten. Die Verantwortlichen zeigten sich direkt nach der Aufführung äußerst zufrieden und stolz.

Aufgrund des Enthusiasmus, mit dem einige Beteiligte bei der Sache waren, wurde sogar das Zustandekommen einer neuen Theater-AG nicht ausgeschlossen. Zunächst wurden in der Stufe jedoch Interessengruppen gebildet, die entweder auf der Bühne, als Techniker und Bühnenbildner oder als Gestalter einer anschließenden Ausstellung tätig waren.

Auf Plakatwänden wird dort die reale Situation der inhaftierten Kinder auf den Philippinen noch einmal detailliert dargestellt. Damit einher ging der Spendenaufruf von Jochen Reidegeld im Anschluss an das Stück, denn der finanzielle Gewinn soll der Unterstützung sozialer Projekte wie Tatort, Don Bosco, Preda oder dem Roten Keil zugute kommen.

Doch nicht nur an das gute Herz der rund 200 Zuschauer wurde appelliert. Auch auf der Bühne menschelte es gewaltig: Die Hauptfigur freundet sich in der Zelle schnell mit Arnel (Maren Wittenbreder), Marlon (Judith Schmalbrock) und Dennis (Lea Foschepoth) an, die ihm auch zuvor auf der Straße bereits geholfen hatten. Nur mit deren Hilfsbereitschaft kann er es schaffen, dem Gefängnis zu entkommen.

Auf die Hilfsbereitschaft der Zuschauer zählt die Theaterstufe auch bei der zweiten folgenden Aufführung am heutigen Freitag um 19 Uhr in der Aula des JHG.



14 · 05 · 09





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