Mauerfall schon 1988 Wettbewerbsthema


Ein denkwürdiger Moment: Alois Bosman (rechts) und Oliver Schmitz, Gewinner des Jugendwettbewerbs, 1989 wenige Monate vor dem Fall der Mauer am Brandenburger Tor in Berlin.
Ein denkwürdiger Moment: Alois Bosman (rechts) und Oliver Schmitz, Gewinner des Jugendwettbewerbs, 1989 wenige Monate vor dem Fall der Mauer am Brandenburger Tor in Berlin.
(Foto: Kreisarchiv Coesfeld)


Kreis Coesfeld. Im Herbst vor 20 Jahren gingen die Bilder vom Fall der Berliner Mauer um die Welt. Nur fünf Jahre vor diesem überraschenden Ereignis wurde am 27. März 1984, also fast genau vor 25 Jahren, das Kuratorium „Unteilbares Deutschland“ im Kreis Coesfeld ins Leben gerufen. Die Anregung dazu kam vom damaligen Regierungspräsidenten Erwin Schleberger.

1988 hatte das Kreiskuratorium noch bei einem Jugendwettbewerb die „fiktive“ Aufgabe gestellt, den „Tag X“, den Tag des Mauerfalls, zu beschreiben. Zufall oder Vorahnung? Wohl eher das erstere, denn niemand hatte zu diesem Zeitpunkt geahnt, was schon im Jahr 1989 Wirklichkeit werden sollte, der erste Schritt zu einem geeinten Deutschland.


Doch der Jugendwettbewerb ist nur ein Beispiel der Jugendarbeit, welche sich das Kreiskuratorium im Laufe seines Bestehens als Schwerpunkt gesetzt hatte. Schon bei der Gründungsversammlung war sich das Kuratorium, getragen durch alle damals im Kreistag vertretenen Parteien mit dem Vorstand einig: Ziel des Kuratoriums sollte es sein, die „nationale und staatliche Einheit“ zu wahren, indem „das Wissen um die deutsche Frage - vor allem bei der jugendlichen Generation - aufrecht“ erhalten werden sollte. Dabei ging es nicht darum, aktiv in die Politik einzugreifen, sondern den Jugendlichen zu vermitteln, dass sie die Grenze nicht als „Barrikade“ für deutsch-deutsche Kontakte sehen sollten. Der Vorstand des Kuratoriums bestand aus dem Vorsitzenden Heinrich Knipper, dem damaligen Landrat des Kreises Coesfeld, seinen Stellvertretern Herbert Gätjens (später Wolfgang Tietze), Prof. Dr. Martin Grahler sowie dem Geschäftsführer Alois Bosman (Kreis Coesfeld).

Neben dem jährlich stattfindenden Jugendwettbewerb, der mit attraktiven Preisen winkte, veranstaltete das Kuratorium Lehrerseminare, organisierte Ausstellungen und stellte den Schulen Lehrmaterial zur Verfügung. Der größte Erfolg, den das Kuratorium zu verbuchen hatte, war die Bezuschussung von Klassenfahrten in die DDR durch Spendengelder. Dies bewog viele Schüler daran teilzunehmen und aktiv das deutsch-deutsche Verhältnis zu festigen.

Am 20. Februar 1991, sieben Jahre nach der Gründung und kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde das Kreiskuratorium wieder aufgelöst, weil das ursprüngliche Ziel, die Einheit zu vermitteln, erreicht war.

„Ich bin froh darüber, dass ich die Chance hatte, ein Stück dieser deutschen Geschichte hautnah miterlebt zu haben und auch das Leben in der DDR vor der Wende kennen gelernt zu haben“, blickt Alois Bosman, der damalige Geschäftsführer, zurück. Besonders freue ihn, dass die Kontakte, die damals in der DDR geknüpft worden seien, teils heute noch in den neuen Bundesländern bestehen.

Die Autorin ist Geschichts-Studentin und absolviert zur Zeit ein Praktikum im Kreisarchiv in Coesfeld.



02 · 04 · 09




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