Mehr schlichte und verbrauchsarme Autos


„Vielen Händlern steht das Wasser bis zum Hals“: Obermeister Bruno Wilstacke.
„Vielen Händlern steht das Wasser bis zum Hals“: Obermeister Bruno Wilstacke.


Coesfeld. Produktionsdrosselung, schlechte Absatzzahlen, Finanzkrise - in der Autobranche g
eht die Angst um. Mit Bruno Wilstacke, stellvertretender Obermeister der Kfz-Innung Coesfeld, sprach unser Redaktionsmitglied Viola ter Horst.

Wie wirkt sich die Drosselung der Produktion vor Ort aus?


Bruno Wilstacke: Zu Engpässen kommt es natürlich nicht - das Problem ist ja, dass es überall Überkapazitäten an Autos gibt. Die Hersteller können liefern ohne Ende, deshalb wird ja jetzt erst mal weniger produziert. Wer sich ein Auto kaufen will, sollte es jetzt.

Wie ist zurzeit die Nachfrage bei den Kunden?

Wilstacke: Mal so, mal so, das ist bei jedem Händler und von Monat zu Monat verschieden. Unterm Strich rückläufig. Ich weiß von Händlern, die von ihren Herstellern das Angebot bekommen haben, dass das Jahresziel gesenkt werden kann. Das heißt, sie bekommen bereits einen Bonus, wenn sie unter den eigentlich gesteckten Verkaufszahlen liegen. Daran sieht man, wie sehr allgemein die Nachfrage nachgelassen hat.

Wo sehen Sie die Ursachen?

Wilstacke: Die Leute haben einfach weniger Geld im Portemonaie. Strom, Heizung, Abgaben, alles wird teurer.

Und der Sprit auch. Hätte da nicht vor Jahren schon von den Herstellern mehr gemacht werden können und verbrauchsärmere Autos entwickelt werden müssen?

Wilstacke: Man kann nicht sagen, dass nichts gemacht wurde. Die Modelle werden ja in der Regel größer und schwerer. Es sind mehr Extras und Sicherheitssysteme eingebaut worden - mehr Airbags wiegen auch mehr, und das hat auf den Verbrauch Auswirkungen. Gleiche Modelle eines Herstellers sind heute oft größer als früher und verbrauchen trotzdem nicht mehr. Ich frage mich allerdings, warum nicht mehr Modelle mit Flüssiggasanlagen von Werk aus angeboten werden. In der Vergangenheit gab es noch nicht so viele Gastankstellen und die Steuerfrage stand noch aus. Diese Probleme haben sich aber geklärt.

Wie ist die Stimmung bei den Händlern?

Wilstacke: Düster. Der Druck auf Händler und Werkstätten ist enorm. Hersteller haben immer noch eine Rendite zwischen fünf und sieben Prozent, der Händler kommt nicht mal auf 0,5 Prozent. Viele schreiben Minus-Zahlen, vielen steht das Wasser bis zum Hals. Das kann auf Dauer nicht mehr so weitergehen.

Was müsste sich ändern?

Wilstacke: Es müssten mehr Fahrzeuge hergestellt werden, die erheblich verbrauchsärmer sind. Preisgünstigere Autos. Autos, die nicht so viel Luxus haben. Ein Auto muss nicht 15 000 Euro kosten, sondern 10 000 Euro. Ich gehe davon aus, dass viele Kunden auf schlichte und verbrauchsarme Autos setzen. Solche Autos ließen sich noch gut verkaufen.



08 · 10 · 08





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