"Das geht zulasten der Schüler"


Verheerende Auswirkungen": v.l. Beigeordneter Dr. Thomas Robers, die Bürgermeister Richard Borgmann (Lüdinghausen) und Heinz Öhmann (Coesfeld), Wilfried Schönberger (Schulleiter Heriburg-Gymnasium).
Verheerende Auswirkungen": v.l. Beigeordneter Dr. Thomas Robers, die Bürgermeister Richard Borgmann (Lüdinghausen) und Heinz Öhmann (Coesfeld), Wilfried Schönberger (Schulleiter Heriburg-Gymnasium).
(Foto: vth)


Coesfeld. Große Sorgen bereiten die vom Land NRW als Schulversuch geplanten Gemeinschaftsschulen den Bürgermeistern von zehn Mittelzentren aus Westfalen, die jetzt ein Positionspapier an Schulministerin Sylvia Löhrmann formulierten (wir berichteten). "Wir befürchten, dass die Gemeinschaftsschulen insbesondere für die Gymnasien in Mittelzentren verheerende Auswirkungen haben werden", sagte Bürgermeister Heinz Öhmann, der gestern zusammen mit seinem Lüdinghauser Kollegen Richard Borgmann im Heriburg-Gymnasium die Hintergründe des Positionspapiers vor der Presse erläuterte.

Das Schreiben zieht offenbar noch weitere Kreise: "Ich kenne etliche Bürgermeister und auch Schulleiter, die unsere Kritik teilen", kündigte Borgmann weitere Unterstützer an.


Bis 2019 sollen nach einer aktuellen Studie des statistischen Landesamtes (IT.NRW) im Kreis Coesfeld die Schülerzahlen um bis zu 30 Prozent zurückgehen. "Wenn umliegende Orte dann noch ihre schulischen Angebote erweitern, wie etwa in Billerbeck durch die Gemeinschaftsschule mit gymnasialem Zweig geplant, bleiben diese Schüler noch zusätzlich weg", so Öhmann. Die Konsequenz liege auf der Hand: "Die aktuelle Qualität mit ihren breiten Differenzierungsmöglichkeiten wird stark leiden." Das gehe zulasten der Bildung, zulasten der Schüler.

"Wir wollen nicht in das bestehende schulische Angebot der Nachbarorte eingreifen, aber wir müssen die Hand heben, wenn sie zusätzliche Angebote schaffen", betonte Borgmann.

Statt dass jeder Ort sein eigenes Süppchen bei der Schulentwicklungsplanung kocht, wünschen sich die Bürgermeister eine regionale Planung. Und sie sind sich sicher, dass die Thematik Mittelzentren vom Land NRW nicht wirklich bedacht wurde. "Darüber muss gesprochen werden." Sie hoffen, dass mit ihrem Positionspapier das Thema politisch erneut auf den Tisch kommt.

Auch dass die betroffenen Mittelzentren erst einbezogen werden, wenn die Nachbarorte bereits geplant haben, ist ein Kritikpunkt. "Besser wäre es, sich vorher zusammen zu setzen und gemeinsam eine Lösung zu finden", meinte Borgmann. Der Schülerrückgang an sich gehe schließlich alle etwas an.

Ähnlich wie Coesfeld ist Lüdinghausen betroffen, weil in Ascheberg im Rahmen des Schulversuch-Projekts eine Profilschule errichtet werden soll. Borgmann: "Ich habe das Gefühl, dass die Profilschule durchgepeitscht werden soll, ohne ihre Auswirkungen zu überdenken." Dabei habe das Büro, das für Lüdinghausen mit der Schulentwicklungsplanung beauftragt ist, festgestellt, dass in Rheinland-Pfalz der Versuch, Haupt- und Realschulen zusammenzulegen, gescheitert sei. "In NRW muss man diese Erfahrung doch nicht auch noch machen."



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