Schöppingen - Stellen Hochspannungsmasten eine Gefahr für die Gesundheit dar? Obwohl umstritten, sind sich viele Wissenschaftler dennoch einig, dass die elektromagnetische Strahlung von nervöser Unruhe bis zu Krebs und embryonaler Fehlbildung teils gravierende Folgen nach sich ziehen kann. Einige Studien kommen gar zu dem Ergebnis, dass der Ernteertrag auf Feldern, über die ein Strommast führt, niedriger ist.
In Raesfeld hat sich aus diesen Gründen eine Initiative „Pro Erdkabel NRW“ gegründet, die nach niedersächsischem Beispiel eine Verpflichtung zur Erdverkabelung fordert. Jetzt schließen sich auch die ersten Schöppinger der Initiative an. Stefan Leugermann und Heinrich Ribbers wohnen in unmittelbarer Nähe der 200 Kilometer langen Stromtrasse Wesel-Diele, die über den Schöppinger Ramsberg führt. Gegen die Überlandleitung vor ihrer Haustür wollen sie etwas unternehmen.
Den Zeitpunkt für ihre Aktion hat die Initiative taktisch klug gewählt: „Bis 2015 entscheidet die RWE über den Ersatzneubau von zunächst vier Stromtrassen als Pilotprojekt. Die Hochspannungsleitung Wesel-Diele ist eine davon“, berichtet Stefan Leugermann. Je nachdem, wie diese Entscheidung ausfällt, sollen entweder 60 Meter hohe Masten oder ein Erdkabel verlegt werden. Der Hintergrund: Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr im Rahmen des Energieleitungsausbaugesetzes die besagten Projekte bestimmt, bei denen Übertragungsleitungen in Teilabschnitten auch als Erdkabel verlegt werden können. In diesem oder im nächsten Monat wird der Bundestag voraussichtlich über das Gesetz entscheiden.
„Dann obliegt es der RWE, ob sie Masten oder Erdkabel verlegt. Da Kabel zwei bis drei Mal teurer sind, wird es schwierig, das Energieversorgungsunternehmen von der Verwendung von Erdkabeln zu überzeugen“, befürchtet Heinrich Ribbers. Deshalb wenden sich Leugermann und Ribbers nun an die Bevölkerung, um über eine Unterschriften-Sammlung öffentlichen Druck zu erzeugen. Entsprechende Flugblätter liegen in Schöppinger Einzelhandelsgeschäften aus. Bis zum 31. Januar wollen die beiden Ramsberger so viele Unterschriften wie möglich sammeln.
Als weiteren Schritt komme es auf die Gemeindeverwaltung an. „Die Initiative hat eine Resolution vorbereitet, mit deren Ratifizierung die Gemeinden sich der Forderung nach einer Erdverkabelung anschließen können“, so Leugermann. Gescher, Legden und Raesfeld haben bereits unterzeichnet. Leugermann und Ribbers zeigten sich jetzt im WN-Gespräch zuversichtlich, dass auch der Schöppinger Gemeinderat sich hinter das Anliegen stelle. Thematisiert worden war die Erdverkabelung im Kommunalparlament bereits in einer früheren Sitzung.