Rhede - Wie schickt man Kollegen an einen Ort ohne Namen? An eine namenlose Straße beispielsweise, deren Seitenränder gemäht werden müssen? Die Mitarbeiter des Rheder Bauhofs sind da ganz kreativ. Sie denken sich eigene Bezeichnungen für Straßen und Wege aus, die eigentlich namenlos sind. Solche Löcher im Kataster gibt es in Rhede einige. Vor allem im Norden, sagt Heinz Theling, Bereichleiter Grün beim städtischen Bauhof.
Namenlose Wege und Straßen finden sich insbesondere in der Nähe des Venns, dort, wo niemand wohnt. Heinz Theling deutet auf den Stadtplan von Rhede. Der Weg, den er meint, ist nicht mal verzeichnet. Theling fährt mit dem Finger auf der Karte den Verlauf nach. „Wir sagen der neue Diek.“ Aus alten Karten komme diese Bezeichnung. Gemeint ist ein Weg zwischen „Burloer Diek“ und der Straße „Zum Venn“. Nicht weit entfernt liegt eine Straße, die unter den Bauhofmitarbeitern nur „der Fuchsbau“ heißt. „Weil es dort ein Übungsgelände zur Fuchsjagd gibt“, erläutert Theling. „Da weiß bei uns jeder, wo es ist“ - kurz hinter der Gaststätte „Koebes an´n Diek“ rein in Richtung Venn.
In Rhede gibt es 442 Straßen, die Namen tragen, teilt Gisela Böing von der Verwaltung auf Nachfrage mit. Überall, wo Leute wohnen, Firmen oder Gebäude stehen gebe es eine Adresse. Im Siedlungsbereich Rhede haben die Straßen schon seit langem Namen. Für die Stadtteile Altrhede, Büngern und Krommert beschloss der Rat erst vor 15 Jahren die heutigen Straßen- und Wegenamen. In der Siedlung Vardingholt tragen die Straßen seit 1973 Namen und im gesamten Ortsteil seit 1976. Aber eben nicht alle.
„Aus Sicht der öffentlichen Ordnung“ ist das nach Auskunft Böings auch nicht notwendig. Da sei es wichtig, dass die Häuser Adressen haben und die Hausnummern gut sichtbar angebracht sind. Für den Bauhof indes sind diese namenlosen Straßen ein Problem.
„Es ist für uns schon schwer zu sagen, an welchem Weg die Leute arbeiten sollen“, sagt Theling. Vor allem, wenn dort niemand wohnt. Ansonsten dienen die Anwohner nämlich zur Orientierung. So ist den Bauhof-Mitarbeitern ein Tenbenselsweg geläufig, obwohl der in keiner Karte steht. Die Familie sei einziger Anlieger der namenlosen Straße, wohnt aber postalisch gesehen am Burloer Diek. Dort weist ein Schild auf den Hof hin.
Wenn also der Bauhof in der Nähe zu tun hat, fahren die Mitarbeiter zum „Tenbenselsweg“, der immerhin zweieinhalb Kilometer lang ist, ein Stück durch den Wald führt und im Venn endet. Auch dort sind Straßennamen Fehlanzeige, obwohl mehrere Wege aufeinander stoßen. Dafür sind etliche Wander- und Radwege ausgeschildert.
Löcher im Kataster gibt es laut Theling hauptsächlich in Vardingholt. In Büngern seien inzwischen nur noch Feldwege namenlos. In Rhede trägt sogar eine Straße einen Namen, die es fast nicht gibt. Der „Niesingsweg“ liegt im Prinzenbusch. Um den zu finden, sagt Theling, „müssten Sie durchs Unterholz kriechen“.