„Verbraucherschutz vor Wirtschaftsinteressen“


Dass Landwirte auch mit Grünenpolitikern diskutieren können, zeigte sich in Südlohn: NRW-Agrarminister Johannes Remmel mit Johannes Harker und Karl Watermann vom Bund Deutscher Milchviehhalter (von links).
Dass Landwirte auch mit Grünenpolitikern diskutieren können, zeigte sich in Südlohn: NRW-Agrarminister Johannes Remmel mit Johannes Harker und Karl Watermann vom Bund Deutscher Milchviehhalter (von links).
(Foto: Printing)


Von Karin Printing

SÜDLOHN. Eine Umorientierung bei der Agrarpolitik forderte NRW-Agrarminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) im „Haus der Vereine“ in Südlohn während einer Veranstaltung des Kreisverbandes Borken/Recklinghausen des „Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM)“.


Der Dioxin-Skandal zeige, dass die bisherige Agrarpolitik der Bundesrepublik gescheitert sei. Statt immer größere landwirtschaftliche Industriebetriebe zu fördern, müsse es im Sinne des Verbrauchers ein Umdenken geben, erklärte der Grünen-Politiker vor mehr als 250 Milchviehhaltern, Verbandsvertretern und Gästen. Der aktuelle Skandal um dioxin-belastetes Futtermittel führe einmal mehr die Schwachstellen der Lebensmittelkette vor Augen, bei der zurzeit noch 130 Betriebe in NRW, darunter 22 Milchviehhalter, gesperrt seien.

„Wir müssen dem Verbraucherschutz Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen Einzelner geben“, erklärte Remmel. Aus diesem Grund habe das NRW-Verbraucherministerium jetzt mit einem Zehn-Punkte-Plan auf den Dioxin-Skandal reagiert. So soll die politische Debatte vorangetrieben werden, um Verbraucher besser gegen Schadstoffe zu schützen. Kernpunkte seien die Trennung von Produktionsströmen und die Verpflichtung für Futtermittelhersteller, Haftpflichtversicherung abzuschließen.

„Ansonsten sind die Bauern wieder die Dummen und bleiben auf den Kosten sitzen, weil sich die Betriebe aus der Verantwortung stehlen“, erklärte Remmel mit Blick auf die drohende Insolvenz des beschuldigten Futtermittelbetriebs Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein.

Auch Fragen rund um die im Jahr 2015 auslaufende Milchquote, die Bindung von Flächen an künftige Stallneubauten, eine geringere Förderung von Biogasanlagen und den Baustopp neuer Anlagen beantwortete der Grünenpolitiker - jedoch nicht immer zur Zufriedenheit der Milchbauern aus dem Kreis Borken, die sich mehr konkrete Antworten auf ihre Nöte um Milchpreise und -absatzmärkte gewünscht hätten.



14 · 01 · 11





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