Greifvogel-Hasser pumpt Köder mit Nervengift voll

Ein Mäusebussard wie dieser wurde jetzt Opfer eines Giftköders.
Ein Mäusebussard wie dieser wurde jetzt Opfer eines Giftköders.
(Foto: Lavermann/Birdlife)


-pd/job- Velen/Kreis Borken. Vermutlich mit einen durch das Nervengift Mevinphos „vollgepumptes“ Köder-Küken haben Unbekannte einen Mäusebussard umgebracht. Das tote Tier wurde mit zwei weiteren verendeten Artgenossen in einem Feldgehölz zwischen Velen und Ramsdorf aufgefunden. Zwei der Tiere, die erst wenige Tage tot waren, wurden zur Klärung der Todesursache nach Münster gegeben. Die Untersuchungen des anderen Mäusebussards laufen noch. Wer hinter dem Vogelmord steckt, ist noch unklar. Die Ermittlungen hätten noch keinen Hinweis auf den möglichen Täterkreis ergeben, hieß es gestern.

Wie der Kreis Borken nach einer Untersuchung des einen Tierkadavers beim Veterinäruntersuchungsamtes Münster mitteilt, sei der Vogel durch eine Überdosis des Pflanzenschutzmittel Mevinphos, das in der Europäischen Union seit 2007 verboten ist, gestorben. Der Fachbereich Natur und Umwelt des Kreises hat die Befunde an die Polizei weitergeleitet, die wegen Verstößen gegen Bundesnaturschutzgesetz, Jagdgesetz und Tierschutzgesetz ermittelt.


Die Vermutung, dass der Bussard vorsätzlich vergiftet worden ist, wird nach Angaben des Kreises dadurch bekräftigt, dass ein unmittelbar neben dem toten Bussard ausgelegte Giftköder, ein weißes Stubenküken, mit 971 Milligramm Mevinphos pro Kilogramm regelrecht „vollgepumpt“ worden sei. „Bei Greifvögeln führt schon eine Dosis von unter 20 Milligramm zum Tode“, erklärt Kreisbiologe Peter Pavlovic. Weiße Federn des Stubenkükens hätten sich beim Bussard in der Schnabelhöhle und in der Speiseröhre gefunden. Mit Mevinphos präparierte Ködertiere sind nicht nur für Greifvögel extrem gefährlich; die Substanz sei ein für alle Säugetiere und Vögel sehr gefährliches Nervengift, so der Fachmann.

Die Ködertiere lagen unmittelbar neben einer Kofferfalle, die aber nicht aktiviert gewesen sei. Gefunden wurden in dem Bereich zudem zwei Drahtkäfige mit lebenden Lockkrähen in viel zu kleinen Kammern. Solche Fallen werden zum Rabenkrähen-Fang eingesetzt. Allerdings sind sowohl der Fang mit lebenden Lockvögeln wie auch die vorgefundenen Drahtkäfige verboten. Die Rabenkrähen befinden sich seit dem 20. Februar in der Schonzeit und brüten zum Teil schon. Deshalb stelle neben der Art der Jagd auch der Zeitpunkt generell ein Vergehen gegen Tierschutz- und Jagdgesetze dar.

Bereits im Vorjahr waren im Grenzgebiet Borken/Rhede mehrere Mäusebussarde mit dem Pflanzenschutzmittel Carbofuran vergiftet worden. Schon damals hatte Pavlovic geklagt, dass den geschützten Greifvögeln nicht selten mit Fallen, Büchsen oder Gift nachgestellt werde. „Landesweit ist in den vergangenen Jahren ein solcher Trend festzustellen und auch im Kreis Borken gab es bereits einige Fälle.“ Kreis und andere Naturschutzbehörden landesweit haben in jüngster Vergangenheit eine ganze Reihe von Fällen registriert, in denen Greifvögeln nachgestellt wurde. So wurden im März südlich von Heek an mehreren Stellen zwei mit Locktauben bestückte „Nordische Krähenfänge“ gefunden. Diesmal standen sie einigermaßen gut getarnt auf den Grundstücken von Taubenzüchtern. Mit solchen Fallen werden üblicherweise ebenfalls Greifvögel, zumeist Habichte, gefangen. Auch in diesen Fällen hat der Kreis Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

Der Kreis Borken bittet Bürger, wachsam zu sein und tote Greifvögel beim Kreis oder direkt bei der Polizei zu melden. Anfassen sollte man die Tiere aber nicht, um sich nicht zu gefährden.


28 · 04 · 10



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