Isselburg-Anholt - Kurz streckt Alexander Bolwerk seine Hand aus, schon kommen seine Haustiere. Gemeint sind in diesem Fall aber nicht die zwei Hunde, sondern schuppigere Exemplare.
In seinem Wasserloch im Garten hält sich der 36-Jährige nämlich Kois, eine Zuchtform des Karpfens. Extra für die Fische ließ der Anholter vor gut zwei Jahren 50 Kubikmeter Erde in seinem Garten ausbaggern. „Zweieinhalb Tage haben wir gebraucht“, berichtet der Fischliebhaber. Heute fasst das Becken 50000 Liter Wasser und hat schätzungsweise 25 Bewohner. Dank der Tiefe von zwei Metern eignet es sich sogar als Swimmingpool - zumindest kühle sich der jüngere seiner Söhne gerne mal darin ab, berichtet Alexander Bolwerk. Auch er selbst lässt an heißen Sommertagen die Beine im Wasser baumeln. Die Kois stört das nicht.
Ihrem Besitzer fressen sie sogar aus der Hand. Laut schmatzend saugen sie daran, in der Hoffnung auf ein bisschen Futter. Der Beckenrand wird ebenfalls stets fleißig abgesucht, ob sich nicht doch ein Körnchen dort verborgen hat, stets begleitet von Schmatzgeräuschen. Das Schlafzimmerfenster der Bolwerks geht auf den Teich hinaus. „Da hört man im Sommer manchmal morgens die Fische“, berichtet Bolwerk. Von wegen, Fische sind stumm! Ab und zu springen sie auch aus dem Wasser, und ein lautes Platschen ist zu hören.
Entspannen und beruhigen soll das Becken mit dem klaren Wasser, durch das man die weißen, schwarzen und bunt gefleckten Kois in verschiedenen Größen gut beobachten kann. Einen Lieblingsfisch hat Bolwerk natürlich auch. „Den Dicken“, sagt er und zeigt auf ein imposantes schwarzes Exemplar mit langen Barteln, das gerade an die Oberfläche kommt.
Von jedem Fisch kann er etwas erzählen, weiß, wo er ihn gekauft hat. Nur Namen gibt er ihnen nicht. Schließlich gibt es eine gewisse Fluktuation, jedes Jahr wird ein Fisch ersetzt. Dabei will eine Anschaffung gut überlegt sein: Ein Koi könne locker bis zu 30000 Euro kosten, berichtet Bolwerk.
Von Deko im Becken halten die teuren Tiere nicht viel, Teichpflanzen vernichten sie gnadenlos. „Ich habe mal eine Seerose reingesetzt - am nächsten Tag war davon nichts mehr übrig“, berichtet Bolwerk. Nur das Wasser muss ordentlich gefiltert werden. Zehn Prozent wird zudem wöchentlich durch neues Grundwasser ersetzt.
Im Winter wird der Teich abgedeckt, und die Kois halten Winterschlaf. Ein paar Monate muss Alexander Bolwerk auf seine kleinen Lieblinge verzichten, erst ab zehn Grad Wassertemperatur werden sie wieder aktiv.
Aus dem kleinen Gartenteich, in den Alexander Bolwerk vor zehn Jahren seinen ersten Koi setzte, wurde ein großzügiger Fischpool. Auch der Garten hat sich verändert, ist bestückt mit fernöstlichen Skulpturen. Über der Terrasse prangt ein riesiger Sonnenschirm - ein Sonnensegel schützt die Fische zusätzlich vor Sonnenbrand. „Hier draußen wird gefrühstückt, Kaffee getrunken, einfach alles“, sagt Bolwerk. Auch den Urlaub wird die Familie dieses Jahr wahrscheinlich am eigenen Teich verbringen.