Teilzeit und Karriere vereinbar


Christa Rüggeberg (2.v.r.) ist Beschäftigte der Wittekindshofer Werkstätten in Gronau. Sie arbeitet auf einem Außenarbeitsplatz in der Küche bei Stefan Paßlick (r.). Michael Bleiber (l.), Leiter der Wittekindshofer Werkstätten Gronau, und Ressortleiterin Irene Stenzig freuen sich, dass zukünftig noch mehr Menschen mit Behinderungen in Betrieben außerhalb des Werkstattgebäudes tätig sein werden.Foto:
Christa Rüggeberg (2.v.r.) ist Beschäftigte der Wittekindshofer Werkstätten in Gronau. Sie arbeitet auf einem Außenarbeitsplatz in der Küche bei Stefan Paßlick (r.). Michael Bleiber (l.), Leiter der Wittekindshofer Werkstätten Gronau, und Ressortleiterin Irene Stenzig freuen sich, dass zukünftig noch mehr Menschen mit Behinderungen in Betrieben außerhalb des Werkstattgebäudes tätig sein werden.Foto:
(Ella Buresch)


Gronau - Teilzeit und Karriereplanung sind Stichworte der modernen Arbeitswelt. In Werkstätten für Menschen mit Behinderungen haben sie bisher dennoch kaum eine Rolle gespielt. Das wird in den Wittekindshofer Werkstätten, die in Gronau und Ostwestfalen Arbeitsplätze für rund 1250 Frauen und Männer mit Behinderungen anbieten, in Zukunft anders. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) haben eine Zielvereinbarung zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben unterschrieben,.

„In die Werkstätten wird Bewegung kommen. Durch die Zielvereinbarung wird unter anderem der Wunsch nach Teilzeit in den Werkstätten erfüllt“, berichtet die Gronauer Ressortleiterin, Irene Stenzig. Der kaufmännische Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof betont, dass Karriereplanung nicht mit Erhöhung des Leistungsdrucks verwechselt werden dürfe, dem viele Menschen mit Behinderungen nicht standhalten könnten: „Karriereplanung heißt, die Werkstatt ist keine Einbahnstraße. Das Motto einmal Werkstatt, immer Werkstatt muss Vergangenheit sein. Wir müssen die Beschäftigten unterstützen, Berufsperspektiven zu entwickeln“, so Dieter Hakenberg.


Eine zentrale Rolle nehmen dabei Angebote der Erwachsenenbildung ein, die in den Wittekindshofer Werkstätten Gronau schon seit Jahren angeboten werden. Dazu gehören Spezialangebote wie sachgerechtes und sicheres Hantieren mit Maschinen ebenso wie Grundlagen beim Umgang mit Zahlen und Maßen. „Viele Beschäftigte sind hoch motiviert und wollen lernen. Da möchten wir anknüpfen und neue Schritte auch in externe Betriebe gehen. Ich hoffe, wir bekommen die beantragten Fördermittel des Europäischen Sozialfonds für einen zusätzlichen Integrationsassistenten“, erklärt Michael Bleiber, der Leiter der Wittekindshofer Werkstätten Gronau.

Angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt, ist es für Frauen und Männer mit Behinderungen schwierig, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Für Außenarbeitsplätze sieht Michael Bleiber jedoch gute Möglichkeiten: „Die Beschäftigten unserer Werkstatt sind nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Menschen mit ganz speziellen Fähigkeiten. Sie arbeiten mit großer Ausdauer, Präzision und Zuverlässigkeit und können eine Bereicherung für viele Betriebe sein.“ Statt wie bisher Aufträge aus Industrie, Handel-, Handwerk und Privatpersonen in der Werkstatt zu erfüllen, sollen Menschen mit Behinderungen zukünftig außerhalb des Werkstattgebäudes direkt beim Kunden arbeiten. Die Wittekindshofer Werkstätten haben sich in der Zielvereinbarung verpflichtet, neue Außenarbeitsplätze zu schaffen. „Unternehmen und Einrichtungen aus Gronau, die selber Bedarf haben und sich vorstellen könnten derartige Außenarbeitsplätze mit Werkstattbeschäftigten zu besetzen, können sich gerne bei uns melden. Wir begleiten und beraten die Firmen selbstverständlich bei der Besetzung solcher Arbeitsplätze“, erklärt der Werkstattleiter Michael Bleiber.

Als weiterer Grundsatz der Zielvereinbarung wurde festgelegt, dass die Teilhabe am Arbeitsleben uneingeschränkt auch für Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen gilt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe begrüßt diesen Aufbruch: „Die Anzahl an Menschen mit Behinderungen, die Anspruch auf einen Werkstattarbeitsplatz haben, wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Nur durch Teilzeitstellen, Jobsharing, Außenarbeitsplätze und die Förderung des Übergangs auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wird es möglich sein, auf den Bau neuer Werkstätten zu verzichten und die Kosten in den Griff zu bekommen“, erklärte LWL-Sozialdezernent Matthias Münning anlässlich der Unterzeichnung der Zielvereinbarung. Darin wird festgelegt, dass die Wittekindshofer Werkstätten in Ostwestfalen und in Gronau bis Ende 2010 zusammen 90 Teilzeitarbeitsplätze und 60 zusätzliche Außenarbeitsplätze schaffen. 153 Beschäftigte sollen bis Ende 2010 in alternative Beschäftigungsmöglichkeiten (Außenarbeitsplatz, Teilzeit oder allgemeiner Arbeitsmarkt) wechseln, heißt es weiter.

VON ANNETTE METZ, SENDENHORST


12 · 03 · 09




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