Gronau - Da war Musik drin: Gleich zwei Posaunenchöre leisteten gestern Abend ihre Beiträge im Rahmen der Stadtplaketten-Verleihung. Zwei verdiente Musiker, Ulla Sander-Stief und Heinz Butke, sowie das sozial besonders engagierte Ehepaar Elisabeth und Johannes Bollwerk wurden im Rathaus geehrt. „Es hat bei uns Tradition, Personen, die Besonderes für unsere Stadt geleistet haben, einmal im Jahr auszuzeichnen“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Rainer Doetkotte. „Uns allen liegt viel daran, die Kultur der Anerkennung und der Würdigung des vielfältigen bürgerschaftlichen Engagements in Gronau hochzuhalten und zu pflegen.“
Das Ehepaar Bollwerk wurde für sein Engagement für den hiesigen Betreuungsverein geehrt. „Neben der Unterstützung in rechtlichen Angelegenheiten pflegen Sie einen sehr regelmäßigen, engen Kontakt, der den Alltag der Betreuten bereichert und lebenswerter macht“, lobte Doetkotte. „Sie nehmen Ihre Betreuten, drei Bewohner des Wittekindshofs, überall dorthin mit, wo Sie selbst gern hingehen“, führte er als Beispiel an. Auch organisatorisch unterstützen die Eheleute den Verein regelmäßig. Damit nicht genug: Die Kongo-Hilfe kann seit Jahren auf die finanzielle Unterstützung der Eheleute bauen. Sie verkaufen unter anderem selbst gemachte Marmelade. „Jemand hat nachgerechnet: Es waren schon über 340 Gläser“, s
o Doetkotte. Dazu kommt das Engagement im Verein „Arche“ und im Kirchengarten „Oase“. Johannes Bollwerk gehört außerdem seit weit über 40 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr an.
Johannes Bollwerk dankte auch im Namen seiner Frau: „Wir waren erstaunt über die Ehrung, weil wir doch nicht prominent sind. Aber Herr Alfert vom Betreuungsverein hat gemeint, dass wir sehr viel machen. Dass Sie als Rat das auch so sehen, freut uns. Wir haben aber auch viel Freude daran. Es macht uns Spaß.“
Auch Ulla Sander-Stief wurde für ihr großes Engagement ausgezeichnet. Sie leitet seit 15 Jahren den Ev. Posaunenchor und Spielmannszug der Erlöserkirche. Das ist fast ein Familienunternehmen - ihr Vater war 1957 der Gründer des Posaunenchors. Viele Verwandte sind aktiv dabei. Sohn André sogar als Dirigent. „Sie gönnt anderen Menschen mehr als sich selbst“, habe ein Familienmitglied über Ulla Sander-Stief gesagt, so Doetkotte: „Es ist eine gute Umschreibung dessen, was Sie leisten und was das Ehrenamt ausmacht: An andere denken“, lobte der stellvertretende Bürgermeister. Die Gründung der Bläserschule, die es auch weniger begüterten Kindern und Jugendlichen erlaubt, ein Instrument zu lernen, gehöre zu den Errungenschaften ihrer Amtszeit. Zudem die Fahrten des Chors in die Partnerstadt Mezöberény, die zu freundschaftlichen Kontakten zu ungarischen Musikern führten. Auch wenn selbstverständlich viele Vereinsmitglieder mitgewirkt haben, so betonte Doetkotte doch: „Die treibende Kraft waren Sie!“ Er erwähnte auch, das sie sich seit Jahren in ihrer Freizeit um einen blinden jungen Mann kümmere.Sander-Stief dankte für die Ehre: „Ich nehme die Auszeichnung für den kompletten Posaunenchor und Spielmannszug der Erlöserkirche entgegen.“ Die Musiker brachten ihr eine musikalische Überraschungs-Ovation dar. Ihr Engagement will sie weiterbetreiben und 2015 den Orchesterwettbewerb des Landes NRW nach Gronau holen. Sie wünsche sich nur, dass die Musiker nicht aus dem Terrassenhaus ausziehen müssen.
Ein weiterer Musiker erhielt ebenfalls die Stadtplakette: Heinz Butke, der seit 60 Jahren im Ev. Posaunenchor von 1886 aktiv ist. „1958, mit 23 Jahren, haben Sie die Leitung des Chors übernommen, als der damalige Dirigent krankheitsbedingt plötzlich nicht mehr zur Verfügung stand. Diese Aufgabe haben Sie souverän erledigt“, so Doetkotte. „Bevor der neue Dirigent 1959 den Dirigentenstock übernahm, wurde unter Ihrer Leitung der niederländische Rundfunkgottesdienst in der Ev. Stadtkirche gestaltet. Dieser sorgte damals weit über Gronaus Grenzen hinweg für Ansehen und war sicherlich in Ihrer jungen Karriere eine große Herausforderung.“ Den Taktstock hat Butke als stellvertretender Dirigent bis heute nicht aus der Hand gegeben. „So ist es sicherlich auch Ihr Verdienst, dass der Evangelische Posaunenchor von 1886 auf ein erfolgreiches Vereinsleben zurückblicken kann.“ Doetkotte richtete seinen Dank auch an die Familie Butkes, in der sich das musikalische Erbgut ebenfalls ablesen lässt: „Zwei Ihrer Kinder sind Ihrem Hobby gefolgt - und für Ihr Enkelkind ist jetzt schon klar, dass er einmal Dirigent werden möchte.“
Butke dankte mit Humor: „Ich würde ja lieber ein Stückchen blasen als hier zu reden“, meinte er. Dann bekam er wenigstens die Gelegenheit zu dirigieren, als auch die Musiker seines Posaunenchors den Ratssaal zu einem Ständchen betraten.