„Abschiedsparty für Jürgen Rüttgers“


Die Spitzenkandidatin zeigte sich volksnah. Hannelore Kraft verteilte Autogramme und Grillspezialitäten an die Besucher ihres Wahlkampfauftritts.Foto:
Die Spitzenkandidatin zeigte sich volksnah. Hannelore Kraft verteilte Autogramme und Grillspezialitäten an die Besucher ihres Wahlkampfauftritts.Foto:
(Martin Borck)


Gronau - Der Platz vor der Antonius-Kirche färbt sich Freitagmittag langsam, aber sicher rot. Wenn schon ihre Spitzenkandidatin der Landtagswahl kommt, dann wollen die örtlichen SPD-Anhänger auch richtig Farbe bekennen. Rote Fahnen und Luftballons wehen, so manch ein Ratsmitglied zwängt sich in das Wahlkampf-T-Shirt. Aus den Lautsprechern schallt der Hit „Nur ein Kuss, Magdalena“. Dabei heißt die erwartete Dame doch Hannelore...

Dass die Spitzenpolitikerin überhaupt nach Gronau kommt, hat die hiesige Landtagsabgeordnete viel Arbeit gekostet. „Hannelore Kraft versucht, jeden Unterbezirk zu besuchen“, sagt Stefanie Wiegand. „Und meine Kandidats-Kollegen Hans-Theo Peschkes und Marc Jaziorski haben es netterweise ermöglicht, dass sie in meinen Wahlkreis kommt.“ In Gronau sieht die SPD Chancen zu punkten.


Die Wartezeit verkürzt „Two on Fire“, die eine Feuershow abziehen. „Die SPD spielt mit dem Feuer“, scherzt Sozialpolitiker Volker Grabkowsky, der sich unter die Zuschauer gemischt hat. Ohne T-Shirt. „Es wissen doch alle, für was ich stehe...“

Am Mikro verbreitet Steffi Wiegand mittlerweile Zuversicht: „Willkommen bei der Abschiedsparty für Jürgen Rüttgers und Andreas Pinkwart“, ruft sie. Sie kritisiert den Schmusekurs der Regierung mit der Atomwirtschaft, die fehlenden finanziellen Rahmenbedingungen für die Kommunen. Mit der SPD werde das besser. Und Kraft sei die legitime Erbin von Johannes Rau. „Rüttgers ist ein Erbschleicher, eine Raubkopie.“

Kurz darauf erreicht der Wahlkampfbus der Spitzenkandidatin den Berliner Platz, wo ein Spalier von Jusos und örtlicher SPD-Prominenz Hannelore Kraft in Empfang nimmt. Vor der Kirche wird sie mit Beifall empfangen. Mit ruhiger Stimme legt sie die wichtigsten Punkte der SPD-Politik dar: „Wir wollen, dass unser Land erfolgreicher, sozialer und gerechter wird“, sagt sie. Der wichtigste Satz in ihrem Wahlkamprogramm sei: „Wir wollen kein Kind zurücklassen.“ Die Kommunen müssten in die Lage versetzt werden, vor Ort die notwendigen Angelegenheiten zu regeln. „Rüttgers hat den Städten und Gemeinden 3,1 Milliarden Euro abgenommen; durch zusätzliche Aufgaben und Mittelstreichungen.“

Bildung - der nächste Punkt. „Wir schaffen die Gebühren ab“, verspricht sie. Auch wenn das nur schrittweise umzusetzen ist. Und sie möchte, dass die Kinder länger gemeinsam lernen.

Kraft gibt sich volksnah, schießt Fußbälle mit SPD-Logo in die Menge. lacht, als ihr Schuh dabei mitfliegt, verteilt Autogramme und anschließend von Grillmeister Robert Meyer zubereitete Wurst- und Fleischspezialitäten. Kurz: Volksfeststimmung ganz nach Geschmack der SPDler.

VON MARTIN BORCK, GRONAU


23 · 04 · 10





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