Leben in Parallelwelten

Zekiye Melke
Zekiye Melke


Zekiye Melke - 1984 aus der Türkei nach Deutschland gekommen - schilderte die Schwierigkeiten von Zuwandererfamilien. Selbst haben sie und ihre Mann nur eine geringe Schulbildung genossen. „Das macht es schwierig, unsere vier Kinder zu motivieren und zu begleiten.“ Zumal das Aufwachsen der Kinder zwischen zwei Kulturen zu Meinungsverschiedenheiten führt. „Die Kinder sehen uns nicht als Vorbild, werfen uns unsere Kultur vor.“
Sie wünschte sich vor allem bessere Zusammenarbeit der Eltern mit Kitas und Schulen. „Für die Eltern haben die Mitarbeiter oft zu wenig Zeit“, sagte sie. Sie wünschte sich Unterstützung in Erziehungsfragen, bessere Hausaufgabenhilfe auch während der Ganztagsbetreuung und Hausbesuche durch Sozialarbeiter.

Marlies Imping (Caritas) unterfütterte die Schilderung mit Zahlen: 40 Prozent der Migranten in Gronau sind von Armut betroffen. „Wir leben in Parallelwelten“, kritisierte sie. Das ist ein riesengroßes Problem, das schon im Kindergarten beginnt. Dabei liege in der Bevölkerungsgruppe sehr viel Potenzial brach, das genutzt werden könnten.


Terhaar bestätigte Impings Eindruck aus eigener Erfahrung. „Im Kindergarten meiner Tochter wurden wegen Sprachdefiziten die Gruppen gesplittet. Das empfand sie als bedrückend.“ Er regte Sprachförderung schon ab dem dritten Lebensjahr an. Kaulbach vermisste ein Zugehen der Menschen aufeinander zu. Es müsse mehr Kurse z.B. an der VHS geben, in denen die kulturelle Eingliederung vermittelt werde. Ein Vorschlag, dem auch Schwarzte etwas abgewinnen konnte. „Verständnis der Kulturen füreinander sollte vermittelt werden.“
„Aufsuchende Sozialarbeit unterstütze ich von ganzem Herzen“, sagte Bartels. Er vermisse den Dialog in der Politik, zumal der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergund auf mindestens 30 Prozent schätzte (mit Russlanddeutschen und eingebürgerten Aramäer). Ausländer seien im Rat unterrepräsentiert.

Auch Jäger sprach sich für aufsuchende Hilfen und für stärkeres Verständnis der Kulturen untereinander aus.

Eine Bringschuld sah Von Borczyskowski: Der Ausländerbeirat, den die Stadt auf freiwilliger Basis eingerichtet hatte, habe nur einige Male getagt und dann seine Tätigkeit eingestellt. „Ich erwarte ein Mitmachen“, sagte er, Auch Möllers mahnte an, dass sich die ausländischen Bürger „auf uns zubewegen müssen“. Er sah die aufsuchende Sozialarbeit mit Skepsis, da sie schnell als Bevormundung gedeutet werden könne.

„Wir haben in der Integration Jahre verschlafen“, merkte Süßmuth selbstkritisch an. Ihr Appell war eindeutig: Zukunft gibt es nur gemeinsam. Sie machte aber auch Mut: Denn in den Migranten stecke unglaubliches Potenzial: „Die jungen Frauen sind wahnsinnig interessiert an Bildung“, sagte sie. Das müssten die Kommunen erkennen und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, nutzen. Letztendlich müsse es um ein friedliches und produktives Zusammenleben gehen nach em Motto „Wir sind alle Gronauer“.


26 · 06 · 09



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