Gronau-Epe - Wer bei Orchideen nur an farbenprächtige, tropische Zimmerpflanzen denkt, vergisst ganz die auch in hiesigen Breitengraden blühenden Freilandorchideen. Diese Pflanzen brauchen allerdings einen erfahrenen Fachmann, um ihre volle Pracht entfalten zu können. In Epe gibt es einen solchen Kenner: Martin Pongratz, der nicht nur im eigenen Garten Orchideen und andere seltene Pflanzen kultiviert, sondern auch Orchideengärten anlegt. Besonders angetan haben es ihm die als Könige unter den winterharten Freilandorchideen geltenden Frauenschuhe. Sie stammen vor allem aus den gemäßigten Klimazonen Chinas. Dort wurden sie schon zu Zeiten des Philosophen Konfuzius in den kaiserlichen Gärten angepflanzt, weil sie eben wunderschön, selten und kostbar sind.
Frauenschuhe (Cypripediae), weiß Pongratz, keimen nur in Symbiose mit bestimmten Pilzen, den Mykorrhizapilzen. Erst wenn die Pflanze gewissermaßen erwachsen ist, also ihren adulten Zustand erreicht hat, hat sie eine entsprechend große photosynthetisch aktive Blattoberfläche, die sie ausreichend mit Nährstoffen versorgen kann. Dann muss der Symbiosepilz in ihrem Wurzelwerk nicht mehr vorhanden sein. Auf Dünger hingegen reagieren Orchideen sehr empfindlich. Dies und vieles mehr gehört zum notwendigen Wissen, das für die erfolgreiche Orchideenzucht erforderlich ist. Und Pongratz hat sich im Laufe von fast drei Jahrzehnten umfassende Kenntnisse angeeignet. „Ich habe aber auch viel Lehrgeld bezahlen müssen“, bekennt er freimütig, denn bei ihm ist auch nicht immer alles glatt gelaufen.
Gern gibt Pongratz sein Wissen weiter, schließlich vertritt er die Auffassung: „Man kann nur schätzen, was man kennt und vermissen, was nicht mehr da ist.“ Vor diesem Hintergrund hat er im Februar Fotos und Anfang Mai auch blühende Orchideen kombiniert mit Bonsais in der Eper Sparkasse ausgestellt.
Die Pflege und Kultivierung seltener Orchideen ist allerdings nur ein Aspekt der breitgefächerten Interessen Pongratz. Ihm ist es auch wichtig, Pflanzengesellschaften und deren Verbreitung zu untersuchen. „Es geht darum, in einem Garten ein sinnvolles und sich ergänzendes Miteinander verschiedener Pflanzen anzulegen“, erklärt Martin Pongratz, für den der praktische Umgang mit den Pflanzen und die genaue Beobachtung von deren Bedürfnissen einen hohen Stellenwert einnehmen. Eine rein theoretische Auseinandersetzung mit der Pflanzenwelt, wie sie ein Hochschulstudium bietet, ist für ihn zu einseitig. Deshalb besuchte Pongratz, dessen Interesse an der Flora über Heilpflanzen geweckt wurde, die Landesforstschule in Arnsberg und später die Fachschule für Gartenbau und Landwirtschaft in Münster. So kennt er sich nicht nur mit Exoten, sondern auch sehr gut mit der heimischen Pflanzenwelt aus und ist viel in der näheren Umgebung unterwegs. Bei einem dieser Gänge durch die Natur hat er vor einiger Zeit an einem Eper Bachlauf den kriechenden Sellerie entdeckt, der als ausgestorben galt. Auch für städtische Grünstreifen hat er Ideen. Beispielsweise könnte er sich eine extensive Pflege vorstellen. Dennoch dürfe, so Pongratz, die menschliche Hand nicht fehlen, die regulierend eingreift.
Sein Hauptbetätigungsfeld ist aber sein Garten, den er im Laufe der Jahre in ein kleines Paradies mit Moorbeet, Steingarten und natürlich vielen verschiedenen Orchideen verwandelt hat. Schatten spenden in diesem außergewöhnlichen Garten selbstverständlich auch besondere Bäume wie die Riesenzapfenkiefer (Pinus coulteri). Sie ist eigentlich im südlichen Kalifornien zu Hause. Mittlerweile ziert sie aber seit über 20 Jahren seinen Garten und hat eine beachtliche Größe erreicht. Mit ihren gut 25 Zentimeter langen Nadeln und den zwei Kilo und mehr auf die Waage bringenden Zapfen ist es ein beeindruckender Baum, der eigentlich in Deutschland als wenig winterhart gilt und nur in wenigen Exemplaren in den wärmsten Gegenden des Landes, etwa im Rheintal, wachsen soll. Aber was gärtnerische Pflege und entsprechender Sachverstand doch bewirken können! Auch eine Feige aus dem zentralanatolischen Hochland fühlt sich in seinem Garten wohl und liefert in manchen Jahren mehr Früchte als vielleicht wünschenswert wären.
Gern bezeichnet Martin Pongratz seine Tätigkeit als „experimentellen Gartenbau“. Ständig auf der Suche nach neuen gartenwürdigen Pflanzen für Gartenfreunde bietet er seit kurzem auch Orchideen und andere seltene Pflanzen, alle natürlich nur aus eigener Nachzucht, über sein Internetseite
www.confuna.de (Conception Futura Naturale) zum Kauf an.