Sommerloch-Serie

Schalllöcher verraten die Handschrift des Gitarrenbauers


Gitarrenbauer Frank Hebing mit einer von ihm restaurierten Framus Atlantis von 1952.
Gitarrenbauer Frank Hebing mit einer von ihm restaurierten Framus Atlantis von 1952.
(Foto: Sven Betz)


Bocholt - Die Form des Schallloches einer Gitarre sei wie der Pinselstrich eines Künstlers auf einem Bild, zumindest bei höherwertigen, qualitativ guten Instrumenten, meint Frank Hebing. Der 43-jährige Zupfinstrumentenmacher aus Bocholt muss es wissen, baut er doch seit 30 Jahren Gitarren.

„Aus der Form des Schallloches kann ich ablesen, von welchem Gitarrenbauer das Instrument gebaut wurde“, sagt er. Rosetten, wie Schalllöcher auch genannt werden, sind Aussparungen in einem Resonanzkörper, um die Lautstärke des Instruments zu erhöhen. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen. Die gängigsten sind kreisrund (meist bei Gitarren) oder sehen aus wie ein kleines „f“ (zum Beispiel bei Streichinstrumenten).


Bei der Planung und beim Bau einer Gitarre spielen sie eine zentrale Rolle. „Die Rosette zeigt mir beim Bau eines Instruments an, wo sich die Mitte des Korpus befindet“, sagt Hebing. Um sie mittig in das Holz einzuarbeiten, setzt der Instrumentenbauer seinen Kreisschneider an. Das mit einem Bleistiftzirkel vergleichbare Werkzeug schneidet ein kreisrundes Loch aus, das später die Rosette wird.

Schalllöcher haben gleich mehrere Aufgaben. Sie sorgen nicht nur dafür, dass ein Instrument hörbar wird, je nach ihrer Lage beeinflussen sie auch die Klangfarbe. Außerdem werten sie das Instrument auf, je kunstvoller sie gestaltet sind. Besonders aufwendig verzierte Holzrosetten sind deshalb oft bei hochwertigen, teuren Instrumenten zu finden.

Der Gestaltung eines Schallloches sind keine Grenzen gesetzt, weiß Hebing. Es gibt Künstler, die sich darauf spezialisiert haben. Manche ihrer farbigen Intarsien gelten schon als Kunstwerke. Eine solche Künstlerin ist beispielsweise Karin Rost, die in Fachkreisen hohes Ansehen genießt.

Schalllöcher gibt es auch in Blechinstrumenten sowie in manchen Schlag- und Perkussioninstrumenten. Bei manchen Zupfinstrumenten, vor allem im asiatischen und im afrikanischen Raum, befinden sich die Rosetten am Resonanzboden des Instrumentenkorpus - zum Beispiel bei der türkischen Saz, einer mehrsaitigen Langhalslaute. Bei ihrer griechischen Verwandten, der Bouzouki, sitzt das Schallloch mittig auf der Vorderseite des Instruments. Darüber hinaus gibt es Schalllöcher in „d“-Form, in „g“-Form, oval, als sogenanntes Katzenauge oder zweigeteilt.

VON THEO THEISSEN


28 · 07 · 10



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