In gut 14 Tagen geht es los: Teil zwei eurer Tour beginnt. Was wird anders sein als bei Teil 1?
Dokter Renz: Wir werden noch besser aussehen und haben uns natürlich einige Schmankerl bislang nur in der Fantasie überlegt, die wir demnächst mit unserer großartigen Band einstudieren. Wir brauchen nicht so lange zum Proben. Wir "überproben" auch nicht, denn es soll sich auf der Bühne immer noch spannend anfühlen und nicht allzu routiniert.
Verrat doch ein bisschen mehr!
Dokter Renz (überlegt und lacht): Nein. Wer uns schon mal live gesehen hat oder andere gehört hat, wie sie von einem Konzert erzählt haben, der weiß ja, dass es sich in jedem Fall lohnt.
Was muss passieren, damit ihr aus einem Konzert geht und sagt: "Das war richtig geil!"?
Dokter Renz: Es muss irgendetwas Überraschendes passieren. Es kann natürlich nicht schaden, wenn einem die Musik sehr gut gefällt. Ich war zum Beispiel letztens bei einem Konzert der Wombats. Das ist eine Liverpooler Band mit mittelmäßigem Erfolg in Deutschland. Aber die Leute, die da waren, haben das genauso geliebt wie ich. Die Songs, die ich bislang nur zu Hause gehört hatte, mit anderen live zu hören - da hat es mich gepackt. Da war alles perfekt. Die haben keine sonderlich große Bühnenshow gehabt, sondern eine sympathische Energie ausgestrahlt. Da haben wir natürlich ein bisschen mehr drauf.
Ihr hättet also auch nichts dagegen, wenn euch die Münsteraner überraschen würden?
Dokter Renz: Ne, eigentlich sehe ich das schon als unseren Job, dass wir die Münsteraner überraschen. Die Fans, die müssen hingebungsvoll sein und natürlich textsicher und bereit, auch zum Äußersten zu gehen.
Ist die Tour für euch als Band automatisch das Ereignis des Jahres?
Dokter Renz: Ja, das ist immer schon ein sehr besonderer Abschnitt im Jahr, weil man mit einem Haufen netter Kollegen und Kumpels im Bus unterwegs ist und so ein Klassenreise-Gefühl hat. Überhaupt verändert sich der ganze Kosmos während dieser Zeit: Man ist nur noch fürs Musikmachen da, fühlt sich wie ein echter Musiker. Vom Alltag schaltet man ab - außer natürlich, dass man regelmäßig mit Zuhause telefoniert. Aber an die Rechnungen, die den Briefkasten vollmachen, will man nicht erinnert werden. Und dann jeden Abend bejubelt zu werden ... das hat man nicht in vielen Berufen und wir genießen das sehr.
Das klingt so, als seid ihr immer mit einem festen Team unterwegs.
Dokter Renz: Ja, das stimmt. Wir haben über die Jahre sowohl auf Musiker- als auch auf Technikerseite sehr viele nette Leute um uns scharen können, und die sind uns zum Glück treu geblieben, und wir sind auch sehr anhänglich. Und da es auf Weihnachten zugeht, ist es eine ganz besondere Stimmung.
Bist du ein Weihnachtstyp?
Dokter Renz: Ja, seit wir Kinder haben, ist das auf jeden Fall wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt.
Es ist Ende November - jetzt ist so langsam die Zeit, auf das Jahr zurückzuschauen. Für Fettes Brot gab es doch sicher auch noch andere Meilensteine als die Tour, oder?
Dokter Renz: Ja, mir fallen sie jetzt natürlich nicht ein, aber... Wir haben großartige Festivals im Sommer gespielt. Wir hatten unser größtes Einzelkonzert in der Lanxess-Arena in Köln vor 15.000 Leuten. Das war schon sehr beeindruckend auch für uns Profis. WM war auch - und da habe ich auch schöne Erinnerungen dran. Zum Teil haben wir Spiele im Tourbus geguckt, weil wir keine Kneipe gefunden haben, wo wir alle gucken konnten.
Bambi letzte Woche, Krone Anfang Dezember: Es ist die Zeit der Awards. Wenn du das Goldene Brot dem Kollegen verleihen könntest, der für dich 2010 die größte musikalische Überraschung war, wer bekäme es?
Dokter Renz: International, da kann ich für alle meine Bandkollegen sprechen, hat uns die Platte von Plan B sehr gut gefallen. Der deutsche Plan B, der ein Mitglied der Gruppe Die Orsons ist, hat uns aber auch sehr gut gefallen. "Illstreet Blues" heißt dessen Soloplatte, und die ganze Truppe war für mich ein Highlight. Wir hatten das große Glück, dass sie uns auf der ersten Tour begleitet hat. Ich finde, das ist ein sehr kreativer Haufen und da kommt unheimlich spannende Musik heraus. Deren Song "Kim Kwang Seok" ist für mich die Single des Jahres - auch mit einem großartigen Video. Ein Supersong über einen koreanischen Liedermacher, der ein Volksheld war und sich Mitte der 90er das Leben genommen hat.
2011 soll dann für euch die kalkulierte Ereignislosigkeit eintreten? Ihr wollt nicht auf Tour gehen.
Dokter Renz: In der Tat, es ist die letzte Tour für eine Weile. Nicht für immer.
Bedeutet das: Ihr macht eine echte Pause?
Dokter Renz: Nein, das kann man so auch nicht sagen. Wir haben eine Menge neue Musik im Kopf und teilweise auch schon aufgenommen. Aber in welcher Form die rauskommen wird, da sind wir uns auch noch nicht sicher. Das wird demnächst - vielleicht nach der Tour - verkündet.