Gemeinsames Essen macht friedlich

Lecker und knackig: Kohl, Brokkoli, Zucchini und Paprika vermengen sich zu einem geschmackvollen vegetarischen Gericht.
Lecker und knackig: Kohl, Brokkoli, Zucchini und Paprika vermengen sich zu einem geschmackvollen vegetarischen Gericht.


Wo immer ich Gelegenheit habe, sehe ich mir die Angebote von vegetarischen Restaurants an und entdecke nur wenige Highlights. Außer einigen Salaten und Gemüse-Nudelpfannen werden meistens die offenbar unvermeidlichen Aufläufe (Vollkornnudeln, TK-Gemüse, Bechamelsauce, Käse drauf und ab in den Backofen) angeboten – ach, ja und dann noch die sogenannten „Bratlinge“ – das klingt nicht nur wie Zwei-Komponenten-Kleber, das schmeckt auch so.

Wie einfallsreich ist doch da die arabische, indische und asiatische Küche. Da im Moment China in aller Augen und Ohren ist – warum nicht auch in aller Munde? – ist es doch naheliegend, ein weiteres Rezept zu veröffentlichen, das gesund ist, lecker und fleischlos, um zu zeigen, wie abwechslungsreich die Kost ist, die Chinesen, besonders aber buddhistische Mönche zu sich nehmen, obwohl sie (zumindest in Thailand) nicht selbst kochen, sondern in Großstädten morgens das in Empfang nehmen, was Anwohnerinnen in der Nähe des Klosters für sie zubereitet haben.


Nicht sie bitten um diese Nahrungsmittel, sondern die Köchinnen bitten die Mönche, diese Gaben anzunehmen, die dann im Kloster gerecht aufgeteilt und verzehrt werden. Da buddhistische Mönche keien Tiere töten wollen, erfuhren schon vor langer Zeit Lebensmittel wie Sojabohnen, Mungbohnen und Tofu (als Fleischersatz) einen Aufschwung.

Vor 14 Jahren waren wir zu vier Personen etwa sechs Wochen lang in China – ohne irgendwelche Einschränkungen und Reglementierungen. Das lag aber vielleicht auch daran, dass ich mit dem ersten rotchinesischen Austauschprofessor an der Uni Münster eine maßgebliche Persönlichkeit kannte, die vieles für uns geregelt hat.

Alle Menschen, die wir dort kennengelernt haben, waren von solch einer unvergleichbaren Herzlichkeit, dass man sie für dieses Regime nicht verantwortlich machen kann. Im Gegenteil: Menschen, die zusammen kochen und essen, sind friedlich. Also liebe Leser, lasst uns heute – unpolitisch und überparteilich – zusammen kochen und essen: Gemüse mit frittiertem Tofu.

Es gibt im Handel Tofu, der weich und relativ geschmacksneutral ist und daher kräftige Gewürze braucht. Da es eine andere Sorte gibt, mit fester Konsistenz und mehr Aroma, bevorzuge ich geräucherten Tofu, den ich in mundgerechte Würfel schneide, in heißem Fett frittiere und dann auf Küchenpapier entfette. Weißkohlstreifen gebe ich in wenig heißes Öl, das ich mit Knoblauch und Ingwer aromatisiere. Nach zwei Minuten Pfannenrühren kommen Brokkoliröschen mit in den Wok, kurz danach Paprika, Zuckerschoten und Zucchini, gewürzt mit Pfeffer, Salz, Soja- und Hoisinsauce. Mit Gemüsebrühe vermischt koche ich alles noch etwa zwei Minuten auf, hebe etwas Sesamöl und die Tofuwürfel unter und serviere mit Blattpetersilie oder gezupftem Thai-Basilikum – wer es mag, nimmt Koriander (die Petersilie Asiens).

In 14 Tagen gibt es die italienische Antwort auf das heutige Rezept und in einer Woche – wen wundert es? – statt Zeitungs- einmal Peking- Ente.

Bis dahin eine charmante Zeit, viele olympische Augenringe und vergessen Sie nicht: Alles wird gar.


13 · 08 · 08


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