Münster/Berlin - Die Zocker sind zurück - und diesmal spekulieren sie nicht mit Aktien oder Währungen, sondern mit Lebensmitteln und deren Rohstoffen. Folge: Die Weizenpreise sind in den vergangenen Wochen um 70 Prozent gestiegen. Kakao war sogar noch nie so teuer wie im Moment. Folge: Die Verbraucher in Deutschland werden sich mittelfristig auf teurere Lebensmittel einstellen müssen.
Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes mit Sitz in Münster, erklärt die Gründe: „In Folge der Hitze erwarten wir vor allem in Staaten wie Russland, der Ukraine und anderen Staaten der ehemaligen GUS zum Teil Ernteausfälle von bis zu 30 Prozent.“ Das knappe Angebot vor allem beim Weizen wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Im Moment zahlt man an den Warentermin-Börsen in Paris oder Chicago für eine Tonne Weizen schon 200 Euro - Tendenz weiter steigend.
Neben dem knappen Angebot - auch in Deutschland werden Ernteeinbußen in Höhe von zehn Prozent erwartet - sorgt auch der Kurs der US-amerikanischen Regierung auf dem Gebiet der Energiepolitik für Preisauftrieb. Dort werden immer größere Mengen an Mais und Getreide für die Produktion von Bioethanol als Ersatz für fossile Brennstoffe verheizt. Ausschlagend für die hohen Preisausschläge sind einmal mehr die Zocker. Berghorn: „Man kann sehen, dass auch viele Hedge-Fonds das Geschäft mit Rohstoffen entdeckt haben und sich dort engagieren.“ So wurde im Durchschnitt der vergangenen Jahre zum Beispiel für eine Tonne Futterweizen (wichtig für die Landwirte im Münsterland) 100 Euro pro Tonne gezahlt. „Im Moment liegt der Erzeugerpreis bei 150 Euro pro Tonne.“

Doch die Spekulanten haben es nicht nur auf Getreide abgesehen. Im Moment treiben viele Händler und Fonds den Preis für Kakao künstlich in die Höhe - auch in Erwartung des anstehenden Weihnachtsgeschäfts. „Seit 2007 hat sich der Preis verdreifacht“, sagt Hermann Hauertmann, Kakaoexperte des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.
In London - nur dort wird mit Kakao gehandelt - droht man bereits mit einem bisher nie dagewesenen Schritt: Sollte die Zockerei ungehemmt weiter gehen, will man den Handel an der Londoner Börse schließen und in die USA verlegen.