Flughafen Weeze - Erfolg gegen den Trend


Ludger von Bebber gilt als Macher im Flughafengeschäft. Er ist guten Mutes, dass sein Flughafen am Niederrhein auch künftig boomen wird. Foto:
Ludger von Bebber gilt als Macher im Flughafengeschäft. Er ist guten Mutes, dass sein Flughafen am Niederrhein auch künftig boomen wird. Foto:
(Ulrich Reske)


Greven/Weeze - Ludger van Bebber bittet um Block und Kugelschreiber. Der quirlige Geschäftsführer des Airport Weeze meidet langatmige Ausführungen. Stattdessen skizziert er die Wirtschaftlichkeit seines Flughafens aufs Papier. Im Rechteck von Zeit- und Bilanzstrahl führt die Kurve sukzessive nach oben.

Im Jahr 08 bohrt van Bebber einen Punkt ins Blatt: „Schwarze Zahlen im operativen Geschäft“. Irgendwo zwischen 2010 und 2011 markiert er den Punkt auf der Linie, der den Flughafen zum profitablen Geschäft für seinen niederländischen Eigentümer Hermann Buurman machen wird. So einfach können manchmal Bilanzen in Krisenzeiten sein.


Der Erfolg gegen den Trend hat in Weeze einen Namen: Ryanair. Hinter fast alle Flügen zu den 40 Zielen des Flughafens steht der Name des irisches Billigfliegers. Er hat den ehemaligen niederrheinischen Militärflughafen rasant in die erste Liga der internationalen Verkehrsflughäfen gehievt. Vorbei am FMO und am Dortmunder Flughafen mit jetzt über 1,6 Millionen Passagieren. „Schnellst wachsender Flughafen Europas“ lautet der jüngst verliehene Titel.

Warum es andernorts abwärts geht oder stagniert, will van Bebber nicht kommentieren: „Zu anderen Flughäfen äußere ich mich nicht.“ Kein Nestbeschmutzer. Doch der Erfolg des eigenen Airports, für den van Bebber seit knapp drei Jahren arbeitet, macht ihn durchaus beredt. „Wir sind zur Wirtschaftlichkeit verdammt,“ gibt van Bebber die Devise aus.

Dafür liefert sein Pressesprecher Holger Terhorst, einst auch in gleicher Funktion am FMO tätig, ein paar kostensparende Argumente. Weezes Terminal hat den Flughafen gerade mal zwölf Millionen Euro gekostet. „Die Kapazität ist auf 2,5 Millionen Passagiere und mehr ausgelegt.“ Am FMO kostete das Terminal einst fast fünf Mal so viel - 110 Millionen Mark. Und für das zweite Terminal musste der FMO noch einmal tief in die Tasche greifen. Die Weeze-Flieger konnten all zu hohe Investitionen umgehen, weil sie ihrer Halle quasi das dritte Leben einhauchten. Die Konstruktion aus Stahlträgern und Nieten, aus denen einst auch der Eiffelturm errichtet wurde, diente in Kriegszeiten als U-Boot-Halle, später bei den Briten als Flugzeughangar.

Weil jedes bauliche Investment zunächst einmal hereingeflogen werden muss, gibt man sich an der niederländischen Grenze bescheiden. „Wir müssen nach dem Low-Cost-Prinzip arbeiten.“ Insofern gestalten sich die Investitionen überschaubar. Rund 60 Millionen Euro sind bislang in den Flughafen geflossen - inklusive des Kaufpreises für das riesige Gelände, auf dem ähnlich wie am FMO ein Gewerbepark entsteht.

Während am hiesigen Flughafen die Gesellschafter befürchten müssen, über kurz oder lang die Verluste übernehmen zu müssen, steht die Region Niederrhein diesbezüglich auf der Sonnenseite. Zwar haben der Kreis Kleve und die Gemeinde Weeze den Flughafen mit einem Darlehn von knapp 27 Millionen Euro angeschoben. Doch diese Investition lohnt. Neben den jährlich fällig werdenden Zinsen hat der Flughafen auch in dieser Region die Rolle des Jobmotors übernommen. Wobei auch hier der Sparkurs dominiert. „Wir sind mit 75 eigenen Mitarbeitern ganz schmal aufgestellt. Alles andere ist outgesourct.“ Tausend Mitarbeiter arbeiten für den Flughafen. In der Region hängen rund 3000 Jobs am Airport.

Wie der FMO hadert auch Weeze derzeit mit den Juristen. Geht es beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Sommer um die Verlängerung der Start- und Landebahn, steht für Weeze ab der kommenden Woche beim Oberverwaltungsgericht in Münster schlicht die Existenz auf dem Spiel. Es geht um die Betriebsgenehmigung.

Deutlicher Unterschied zum FMO: Im innerdeutschen Verkehr ist Weeze schwachbrüstig. Nur Berlin steht im Flugplan der Niederrheiner. „Die Lufthansa mag uns nicht sonderlich“, gibt van Bebber zu, der sich die Sektlaune gerade in Zeiten der Krise nicht vermiesen lassen möchte. Und dann markiert sein Kuli noch einmal den Punkt auf dem Erfolgsstrahl irgendwo im Jahr 2020. „Da liegt der Wert des Flughafens bei 150 Millionen Euro.“

VON ULRICH RESKE, GREVEN


13 · 03 · 09



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