Debatte nach dem Ausbruch aus der JVA

Enorme Sicherheitslücke

Alles Einzelfälle, Zufälle, unglückliche Verkettungen? So leicht macht es sich zurzeit niemand, der die zwei jüngsten Ausbruchsfälle in der JVA Bochum ergründen will. Sich aufs Gegenteil - also systematische Lücken und Tücken - als Ursache festzulegen, führt ebenso nicht weiter. Die Umstände der geglückten Flucht eines 47-jährigen Polen und die eines gescheiterten, aber Aufsehen erregenden Versuchs zwei Wochen zuvor werfen allerdings viele Fragen über die Verhältnisse in Bochum auf.

Denn in beiden Fällen kommen Umstände zum Tragen, die der Justizvollzug nicht vorsieht: Weder dass rudimentär montierte Panzerglasscheiben alles andere als Sicherheit garantieren, noch dass ein Gefangener sich eine Schlüsselkopie anfertigen kann. Es gehört zur Ironie der nun beendeten Flucht des polnischen Häftlings, dass er eine seit 30 Jahren bestehende Sicherheitslücke offenbart hat.


Pfusch am Bau? Vielmehr dämliche Gedankenlosigkeit ließ eine enorme Sicherheitslücke klaffen. Weil die Fachfirmen Panzerglas so sorglos montierten und weil das offenbar auch bei Bauabnahmen niemandem aufgefallen ist, zeichnet sich hier ein wirklicher Skandal ab: Denn die Bürger sollten darauf vertrauen können, dass alle Verantwortlichen im Justizvollzug in allen Aspekten gewissenhaft und professionell arbeiten. Dieses Vertrauen haben die Bochumer Fälle erschüttert.



07 · 02 · 12




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