Am Steuer eines Einsatzwagens unterwegs: „Das ist Stress pur“


Foto: Roland
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(Greife)


Telgte / Münster - Nein, im Speziellen äußern sich er und sein Dienstherr nicht zu dem Unfall zwischen Liefer- und Polizeiwagen, bei dem am Mittwoch in Telgte vier Menschen schwer verletzt wurden. Allgemein aber sagt Manfred Kattenbeck, Berufsfeuerwehrmann und Fahrlehrer in Münster, „dass man sich mies fühlt, wenn man von so etwas liest.“ Weil es in seinem Berufsalltag, der dem 47-Jährigen pro Woche schon mal bis zu zehn Einsatzfahrten beschert, „in wenigen Minuten soweit sein kann, dass es ei­nen selber trifft“.

Besonders kritisch sei das Hineinfahren in Kreuzungen, wenn die Ampeln auf Rot stehen. Eben jene Situation, die den Polizisten am Mittwoch zum Verhängnis wurde. „Vorschrift ist da: Mehr als sieben Stundenkilometer sind nicht drin“, so Kattenbeck. Also nur wenig mehr als Schrittgeschwindigkeit. Weil natürlich keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet werden dürfen - und eben die nicht immer mitbekommen, dass sich ein Rettungs-, Notarzt- oder Polizeiwagen nähert. Trotz Blaulicht und Martinshorn.


„Gerade die jüngeren Fahrer hören laut Musik, schreiben Handy-Kurzmitteilungen oder telefonieren“, sagt der Feuerwehrmann. „Also alles Dinge, die man am Steuer ei­gentlich nicht darf.“ Manch einer merke dann erst im letzten Augenblick, dass er eigentlich beiseite fahren oder anhalten müsste - und reagiert hektisch.

Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Bundeswehr und Zoll, sie alle haben in bestimmten Einsatzsituationen Sonderrechte. So dürfen sie im Notfall im Halteverbot parken, blaues und gelbes Blinklicht benutzen und mit Martinshorn und Blaulicht über rote Ampeln fahren. „Wenn Leben und Sachwerte gefährdet sind“, grenzt Kattenbeck ein.

Die Einsatzkräfte erfahren täglich die mögliche Gefahr auf der Straße, die Statistik beleuchtet sie nüchtern: Allein die Fahrzeuge der Polizei in NRW legten im Jahr 2008 insgesamt 155 Millionen Kilometer zurück. Dabei gab es pro gefahrene 100 000 Kilometer 2,29 Schadensfälle. In diesem Wert seien allerdings nicht nur Unfälle mit Blaulichtfahrten enthalten, erklärt Simone Ramakers, Pressesprecherin im Innenministerium. Wenn ein Beamter versehentlich beim Rückwärtsfahren eine Mauer rammt, wird er auch ein Fall für diese Statistik.

341 Einsatzfahrten der Polizei mit Martinshorn und Blaulicht endeten laut Ministerium 2008 mit einem Unfall. „Das sind 12,2 Prozent der Gesamtanzahl“, sagt Simone Ramakers. Für die Feuerwehren werden die Zahlen nicht geführt.

Mit Tempo, Blaulicht und Martinshorn durch die Ortschaft - selbst für den umsichtigsten Polizisten oder Rettungsdienstfahrer bergen solche Situationen ein gewisses Risiko. Wenn nach einem schweren Unfall, etwa durch die Blackbox-ähnliche Vorrichtung im Einsatzfahrzeug, herauskommt, dass sich der Fahrer etwas hat zuschulden kommen lassen, wenn darüber hinaus Menschen zu Schaden gekommen sind, „hat man ziemlich schlechte Karten und steht mit einem Bein im Gefängnis.“

Einsatzfahrer, so schließt der Experte, trügen eine riesengroße Verantwortung den Mitmenschen gegenüber. Mit einem Feuerwehrwagen mit überhöhter Geschwindigkeit durchs Stadtgebiet zu fahren etwa sei nicht zu rechtfertigen. Gerade, weil man selber auch schon in Gedanken beim Einsatz sei. Was erwartet einen dort, ist man rechtzeitig vor Ort? „Das ist Adrenalin pur“.



02 · 09 · 10



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