Wollene Wandersleut´


Über Wiesen und Straßen, über Stock und Stein ziehen die Schäfermeister Anton Hense, Johannes Knust und Wolfgang Scholle (v.l.) mit ihren Schafen. Foto:
Über Wiesen und Straßen, über Stock und Stein ziehen die Schäfermeister Anton Hense, Johannes Knust und Wolfgang Scholle (v.l.) mit ihren Schafen. Foto:
(Andreas Götte)


Salzkotten / Geseke - Autofahrer geraten schon mal zwischen die Schafe. In Innenstädten kennzeichnen ihre Hinterlassenschaften ihren Weg, und ab und zu muss auch mal eine vielbefahrene Bundesstraße überquert werden. Doch die Begegnungen sind immer entspannt - so wie die 200 Schafe, die friedlich vor sich hinblöken.

Die beiden Schäfermeister Anton Hense und Wolfgang Scholle aus Lichtenau bei Paderborn sind Teil des europäischen Hirtenzuges. Seit Anfang Juni ist er von Berlin aus gestartet. Über 1400 Kilometer führt er durch Deutschland, die Niederlande, Belgien und Luxemburg bis nach Trier - Mitte Oktober ist dort Deutscher Grünlandtag.


Hense (54) und Scholle (57) haben im lippischen Blomberg den Hirtenstab von ihren Berufskollegen übernommen. Zwischen 12 und 14 Kilometer legen sie zusammen mit Henses wollenen Vierbeinern und den beiden altdeutschen Hütehunden Ann und Lore zurück. Auf ihren dunklen Hirtenkitteln steht „Wir pflegen die Landschaft, die sie lieben“.

Mit dem Hirtenzug durch Europa möchte die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) aber nicht nur für den Beruf des Schäfers werben. Die Schafzüchter haben auch ganz konkrete Forderungen an die Politik. Vor allem haben sie die elektronische Einzeltierkennzeichnung im Visier, die Anfang des Jahres als Ersatz für die Bestandskennzeichnung eingeführt wurde.

„Die Tiere reißen die Clips zum Teil ab und, wenn wir das endlich merken, müssten wir eigentlich das Schaf sofort zurücklassen und an den nächsten Baum binden. Das ist alles überhaupt nicht praktikabel“, schimpft Anton Hense. Statt etwas für die Landschaftspflege und den Umweltschutz tun zu können, kommt immer mehr Bürokratie auf den Berufsstand mit der romantischen Note zu. Die Schäfer fühlen sich zudem bei den Förderrichtlinien vergessen und fordern künftig verlässliche Rahmenbedingungen.

„Vor 50 Jahren konnte eine vierköpfige Familie noch vom Wollerlös einer 150-köpfigen Schafsherde leben“, berichtet der Schäfermeister. Nach Angaben von Scholle gibt es heute nur noch Geld für das Fleisch.

Dem 57-Jährigen macht die Tour trotzdem viel Spaß. „Es übertrifft alle Erwartungen. Die Menschen winken uns zu und sind alle freundlich“, sagt Scholle. Etwa hundert Kilometer hat das Duo noch vor sich. In der Nähe von Dortmund werden sie den Stab, auf dem die Initialen sämtlicher Zugteilnehmer eingeritzt sind, an eine Kollegin übergeben.



03 · 08 · 10





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