Münsteranerin entführt und misshandelt: Fünf Verwandte unter Verdacht


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(Foto: dpa)


Münster - Insgesamt fünf Verwandte stehen im Verdacht, eine 19-jährige Münsteranerin mit türkischen Wurzeln entführt und misshandelt zu haben. Dies bestätigte jetzt die Staatsanwaltschaft. Die Verdächtigen seien nach wie vor auf freiem Fuß, ihr Aufenthaltsort sei den Behörden aber bekannt. Zu den Vorwürfen hätten sie bislang „keine Angaben“ gemacht.

Am Freitag war die 19-Jährige erstmalig von der Polizei verhört worden. „Ihre Angaben zu der Entführung machen einen glaubwürdigen Eindruck“, so Wolfgang Schweer, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bis auf eine Ausnahme: Schilderungen, wonach sie nach Syrien verschleppt werden sollte, um dort ermordet zu werden, entbehren laut Schweer „jeder Grundlage“.


Die Entführung hatte nach Angaben der Frau am Freitag vor einer Woche auf einem Autobahnrastplatz zwischen Dortmund und Münster ihren Anfang genommen. Dort sei sie aus ihrem Fahrzeug gezogen, geschlagen und in einen anderen Pkw gezerrt worden. Dieses Fahrzeug habe sich dann auf den Weg in Richtung Italien gemacht. Ein zwischenzeitlicher Fluchtversuch, bei dem sich die Frau nach einem Toilettenbesuch auf einer Raststätte absetzen wollte, sei gescheitert.

Im Hafen von Ancona habe sie dann - erneut bei einem Toilettenbesuch - mit einer Touristin Kontakt aufgenommen und um Hilfe gefleht, weil sie „in Schwierigkeiten“ sei. Die Touristin habe die Polizei alarmiert, die dann kurz darauf die 19-jährige Münsteranerin befreite. Danach wurde sie von den italienischen Behörden vernommen. Die Staatsanwaltschaft wartet derzeit darauf, dass ihr die Protokolle überlassen werden, so Schweer.

Anlass für die Entführung ist, so Schweer, offenbar eine Beziehung der 19-Jährigen zu einem Deutschen gewesen. Die Familie sei mit dieser Beziehung nicht einverstanden gewesen und habe die Frau daher über Ancona und die Türkei ins syrische Kurdengebiet bringen wollen. Was dort mit ihr geschehen sollte, darüber kann laut Schweer nur spekuliert werden. Möglicherweise sollte sie bei einem Teil der Familie untergebracht werden - möglichst weit von ihrem deutschen Freund entfernt. Hinweise auf eine dort geplante Ermordung gebe es jedoch derzeit nicht.

VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER


16 · 03 · 10





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