Verärgert: Mieter führt Krankheiten auf Nitrat im Trinkwasser zurück

Helmut K. und seine Lebensgefährtin mit den Aktenordnern, in denen er alles, was er bislang rund um das Nitrat in seinem Trinkwasser recherchieren konnte, gesammelt hat.Foto:
Helmut K. und seine Lebensgefährtin mit den Aktenordnern, in denen er alles, was er bislang rund um das Nitrat in seinem Trinkwasser recherchieren konnte, gesammelt hat.Foto:
(Wilfried Gerharz)


Greven - Helmut K. ist sauer. Er glaubt, dass ihn das Wasser, das bei ihm zu Hause aus dem Hahn kommt, krank macht. „Eine posttraumatische Belastungsstörung“ habe er erlitten, als er von den hohen Nitratwerten in seinem Wasser erfuhr - und inzwischen Alpträume. Er möchte Genugtuung, sei es als Schmerzensgeld von seinem Vermieter, sei es als Mietminderung.

Seit acht Jahren lebt der 59-Jährige in einer Gre­vener Bauerschaft zur Miete. Vermieter ist der Landwirt gleich nebenan. „Zur Ruhe“, erzählt der „Projektleiter und Lebenskünstler“, habe er dort kommen wollen, „mit dem Laptop unter den Bäumen sitzen und Bücher schreiben“. Diese Ruhe sieht er seit diesem Frühjahr gestört, seit jenem Tag, da er für ein neues Aquarium sein Leitungswasser bei einem Baumarkt te­sten ließ. „Vergiftet“, berichtet er, habe man ihm dort gesagt, sei das Wasser, das er und seine Lebensgefährtin aus ei­nem Brunnen beziehen - wie auf dem Land nicht unüblich.


Als er beim Gesundheitsamt in Steinfurt nachhakte, erfuhr er, dass es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Brunnenwasser alle zwei Jahre getestet wird. „Und der Eigentümer ei­nes Mietshauses muss dem Mieter den Bericht jährlich vor­legen“, moniert Helmut K. Das sei nie geschehen.

Die Werte, die er beim Amt telefonisch erfragte, waren die aus dem Brun­nen seines Vermieters - wie sich später herausstellte. „Doch der bezieht sein Wasser aus einem anderen Brunnen, wie ich recherchiert habe. Wo unserer ist, haben wir bis heute nicht herausgefunden“, sagt Helmut K. Daraufhin sei das Gesundheitsamt bei ihm erschienen und habe eine Probe seines Leitungswassers genommen. Das Ergebnis: Der Nitratwert im Leitungswasser beträgt 120 Milligramm pro Liter, erlaubt sind 50. Auch der Nitritwert sei doppelt so hoch wie erlaubt, berichtet er.

Die Werte, die K. nun als bedrohlich und gesundheitsgefährdend empfindet - er habe Magen-Darmprobleme, einen Atemwegsinfekt und Schlafstörungen -, sind laut Bertold Friederichs vom Gesundheitsamt des Kreises Steinfurt kein Grund zur Beunruhigung. „Eine Gesundheitsgefährdung besteht erst ab einem Wert von 130 Milligramm pro Liter, der Wert im Trinkwasser von Herrn K. ist für Erwachsene nicht gesundheitsgefährdend“, gibt der Gesundheitsingenieur Entwarnung. Allein von der Herstellung von Babynahrung sei abzusehen, da der Organismus von Säuglingen noch nicht mit der Verarbeitung von Nitrat fertig werde.

Der Mieter fragt sich nun, warum der Landwirt nebenan seit Jahren einen Nitratfilter in seiner Pumpe hat, das bei ihm jedoch nie veranlasst hat. Er zieht inzwischen so manches Register und hat bereits einen Fernsehsender zu sich eingeladen. Die Vermieterfamilie nimmt auf Anraten ihres Anwalts keine Stellung.

VON JULIA GOTTSCHICK, MÜNSTER

31 · 07 · 09


MEHR ZUM THEMA



kommentar



TOP ARTIKEL
Topartikel Icon
LENZ-RADIO.DE
Neues Webradio digital serviert auf www.lenzradio.de
KURZMELDUNGEN
FAHRPLAN-AUSKUNFT
von:
Haltestelle Str./Nr.
nach:
Haltestelle Str./Nr.


© Ahlener Zeitung - Alle Rechte vorbehalten 2010

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette