Sommerabend mit den Köhlers


Die Leser unserer Zeitung auf dem roten Teppich vor dem Brandenburger Tor: Sie nahmen festlich gekleidet an der „Tafel der Demokratie“ mit Bundespräsident Horst Köhler teil. Viele erhielten ein Autogramm von ihm.Fotos:
Die Leser unserer Zeitung auf dem roten Teppich vor dem Brandenburger Tor: Sie nahmen festlich gekleidet an der „Tafel der Demokratie“ mit Bundespräsident Horst Köhler teil. Viele erhielten ein Autogramm von ihm.Fotos:
(Caroline Hube)


Berlin - „Dont stop the music - die Musik darf nicht aufhören!“, ruft Ulrich Radema­cher dem Bundespräsidenten zu. Es ist nach 22 Uhr, als der Chef der Westfälischen Schule für Musik in Münster endlich bei der „Tafel der Demokratie“ mit Horst Köhler zusammentrifft. Sein Anliegen: Die Förderung des Singens in der Grund­schule. Rademacher war mit 49 Lesern unserer Zeitung zum festlichen Event am Brandenburger Tor geladen worden.

Obwohl Köhler und Frau Eva-Luise laut Protokoll bereits gehen sollen, bleibt der Bundespräsident noch gut eine Stunde, nimmt sich Zeit, interessiert sich für Rademachers CD mit Kinderliedern des Projekts „Jekiss“. „Musik macht mün­dige Bürger, glückliche, denkende, erfinderische!“, betont Rademacher. Bereits die Hälfte aller Grundschulkinder in Münster singt diese Lieder.


„Jedem Kind seine Stimme“, fordert der Musikschulchef. Eine Stimme gibt der Bundespräsident an diesem Abend rund 1500 Gästen. Sie alle konnten ihm Zukunftswünsche für die zwei­­te Amtszeit mitgeben. „Ich habe echten bürgerlichen Geist kennengelernt“, resümiert Köhler.

Es ist der Höhepunkt eines aufregenden Tages für die Leser. Mit dem Bus nach Berlin, durch den dichten Verkehr ins Hotel, schnell noch umgezogen. CDU-Bundestagsabgeordneter Ruprecht Polenz wartet bereits, lotst die Gruppe weiter, beantwortet den ganzen Abend Fragen.

Am Brandenburger Tor verschlägt es manchen Lesern den Atem: Das Tor im Gegenlicht der sinkenden Sonne, der rote Teppich, lange festlich gedeckte weiße Tafeln. Die Karte verrät: „Adlon“-Chefkoch Christian Müller hat ein Drei-Gänge-Menü mit Flusskrebs-Sülze, einem Erbseneintopf mit Tafelspitz und Kirsch-Mandelkuchen kreiert. Pünktlich um 19.30 Uhr ein Tusch: Köhler kommt.
Gäste wie der Philosoph Richard David Precht oder Fernsehkoch Johann Lafer bringen Toasts auf den Bundespräsidenten. Es ist von Moral die Rede, Bürgersinn, Bescheidenheit, Integration, Hoffnung. Dann - kurz vor dem Dessert - der große Moment. Köhler wechselt den Platz, setzt sich direkt an den Tisch neben unsere Leser.

Kurz danach steht er auf und lässt etliche der Westfalen an sich herankommen. Nicht nur Rademacher, den Köhler bereits kennt, kommt zu Wort. Eine Mitarbeiterin Köhlers sieht den gehbehinderten Christoph Hauer im Rollstuhl. Sie verspricht: „Der Präsident ist gleich da.“ Und wirklich: Plötzlich steht Köhler neben ihm, gibt dem Neuenkirchener ein Autogramm, spricht mit ihm. Die mit dem vierten Kind schwangere Ulrike Teiner aus Sendenhorst ist als nächste an der Reihe.

Landfrau Annegret Lange­haneberg will mehr: Als Eva Köhler ihre Eintrittskarte signiert, fragt sie forsch: „Und Ihr Mann?“ Schmunzelnd lässt die „First Lady“ sie zu Köhler vor. Der zeigt sich zu Scherzen aufgelegt: „Da steht ja Eva-Luise auf der Karte, wer ist das?“ Die Coesfelderin reagiert schlagfertig: „Eine sehr, sehr nette Frau!“ - „Das finde ich auch!“, lacht Köhler. So hinterlässt er eine Gruppe glücklicher Westfalen, die ihn fest ins Herz geschlossen hat. „Es war bewegend, ein Fest für alle Bürger“, resümiert Jürgen Henke aus Ahlen. „Einfach un­vergesslich.“



05 · 07 · 09





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