Münster - Die Pet Shop Boys müssen in einen Jungbrunnen gefallen sein. Ihre Hits, einige immerhin schon mehr als ein Vierteljahrhundert alt, klingen frisch wie eh und je, ihre Bühnenshow präsentiert sich technisch und visuell auf der Höhe der Zeit, ihre neuen Songs zeigen, dass sie dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gelassen entgegenschauen können. Kein Wunder also, dass Neil Tennant und Chris Lowe am Samstagabend in der Halle Münsterland von mehr als 5000 Fans frenetisch gefeiert werden.
Was die beiden bieten, ist mehr als ein Konzert - nämlich ein zweistündiger Mega-Mix, eine perfekte Pop-Revue. Gassenhauer wie „Go West“, „It´s a sin“ und „Always on my mind“ wechseln sich mit Stücken von ihrem aktuellen, von der Kritik gefeierten Album „Yes“ ab, Dancebeats mit Klassikern aus den Achtzigern, die nichts von ihrem Zauber verloren haben.
Die Pet Shop Boys wären nicht die Pet Shop Boys, würden sie ihr Repertoire nicht auch mit ironischer Distanz und einem ästhetischen Anspruch präsentieren. Zum Auftakt haben sich Tennant und Lowe bunte Würfel über die Köpfe gestülpt, im Laufe des Abends erscheint der Sänger auch mal mit glitzernder Krone und der Keyboarder mit einem bizarr-bunten Federmützchen.
Die Bühne selbst ist minimalistisch gestaltet. Auf Stapel weißer Würfel, die an die berühmten Brillo-Boxen von Tennants Idol Andy Warhol erinnern, werden aufwendige Videoinstallationen im Stil von Gerhard Richter (der die Pet Shop Boys zu ihrem aktuellen LP-Cover inspirierte) und der Pop-Art-Ikonen Gilbert & George projiziert. Dazu gibt es tanzende Wolkenkratzer und hüpfende Würfel- Männchen, die dem experimentellen Theater des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer entsprungen sein könnten. Für all das ist mit Es Devlin ein renommierter Opern-Regisseur verantwortlich. Damit´s nicht allzu anspruchsvoll wird, hat Madonna-Produzent Stuart die gesamten Werke der Pet Shop Boys komplett neu arrangiert.
Das Publikum ist begeistert und bekommt zum Dank drei Zugaben - das noch immer zum Heulen schöne „Being Boring“ und jenen Song, mit dem die Weltkarriere der Briten einst begann: „West End Girls“. Zum Schluss gibt´s sogar noch ein Weihnachtslied: „It doesn´t often snow at christmas“, dazu wird auf die Leinwand prasselnder Regen projiziert. Nach zwei Stunden gehen die Lichter wieder an, die Pet Shop Boys wirken zufrieden, das Publikum mag gar nicht aufhören zu jubeln.
Kein Wunder, es hat eine Pop-Band auf dem Zenit ihres Schaffens erlebt. Wie viele Lady Gagas und vermeintliche „Superstars“ hat die Pop-Geschichte schon erlebt - nach ein, zwei Hits waren sie schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Das gilt übrigens auch für jene Künstler, die vor 25 Jahren den noch jungen Pet Shop Boys Konkurrenz machten. Wer erinnert sich noch an, sagen wir, Limahl?
In Münster bewiesen Neil Tennant und Chris Lowe eindrucksvoll, warum ausgerechnet sie das schnelllebige Popbusiness bis heute unbeschadet überlebt haben: wunderbare Melodien, intelligente Texte, eine ästhetisch aufregende, zugleich aber ironische Bühnenshow, dies alles aufgepeppt mit pathetischen Disco-Beats und hedonistischen Tanzeinlagen - fertig ist die perfekte Pop-Show. Keine Frage: Die Pet Shop Boys sind nach wie vor eine der besten Popbands der Welt.