Krug gegen Schlussstrich unter Stasi-Akten


Manfred Krug im Regent Hotel in Berlin.
Manfred Krug im Regent Hotel in Berlin.
(Foto: Sebastian Kahnert)


Berlin - Der Schauspieler Manfred Krug hat sich gegen einen Schlussstrich unter die Stasi-Akten ausgesprochen. «Davon halte ich nichts», sagte Krug am Donnerstag in Berlin.

«So etwas hat es nach dem Krieg, auch unter Adenauer, genug gegeben. Die sollen sich ruhig noch eine Weile gruseln davor, dass doch noch etwas rauskommt. Das ist doch wohl das Geringste, dass die Täter noch etwas Geduld aufbringen müssen.» Er selbst blicke seit 20 Jahren nicht mehr in seine umfangreichen Stasi-Akten mit den Berichten über seine Bespitzelungen in der DDR.


Er habe nicht gewusst, «wieviele in meiner Umgebung damit zu tun hatten.» Es sei ein System der Erpressung und Belohnung gewesen. Vielleicht schreibe er noch ein Buch darüber. Krug, der am 8. Februar 75 Jahre alt wird, stellte sein autobiografisches «MK Bilderbuch» als «Sammelsurium» vor. Es vereint über 1000 Fotos und Dokumente aus seinem Leben und seiner Karriere, die er mit teils anekdotenreichen, aber auch aufschlussreichen Erinnerungstexten begleitet.

Krug war einer der populärsten Film- und Fernsehschauspieler in der DDR und hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. 1977 war er in den Westen gegangen, wo er bald vor allem als «Tatort»-Kommissar Stoever, als Lastwagenfahrer in der ARD-Vorabendserie «Auf Achse» sowie als beliebter Anwalt «Liebling Kreuzberg» bekannt wurde.

«Ich bin kein Held, kein Star, ich bin einzigartig MK», sagte Krug bei der Buchvorstellung. Zu seiner Ausreise 1977 nach der Biermann-Ausbürgerung sagte er, er habe sich dem staatlichen Anspruch, «entweder du gehorchst, sonst knallt's!'» nicht beugen wollen. Er habe nie vergessen, wie die SED mit seinem Film «Spur der Steine» in den 60er Jahren umgesprungen sei, der gleich nach der Premiere verboten worden sei. «Die Premiere im Kino International in Ostberlin hätte Goebbels nicht besser kaputt machen können. Bezahlte und einstudierte Kampfgruppen-Typen pöbelten über den angeblich antisozialistischen Film herum.»

Zuvor war der «Tausendsassa des DEFA-Films», wie ihn eine DDR-Filmzeitschrift einmal nannte, einer der beliebtesten Schauspieler im «Arbeiter- und Bauernstaat», der sogar von SED-Chef Walter Ulbricht (zusammen mit Filmkollegen) mit dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde. Nach seinem Biermann-Protest wurde er beruflich kaltgestellt. «Die DDR reagierte wie eine sitzengelassene rachsüchtige Verlobte. Alle Schallplatten, Filme und Fernsehspiele wurden aus dem Verkehr gezogen», erinnert sich Krug in seinem Buch.

Schwarzkopf&Schwarzkopf-Verlag



02 · 02 · 12





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