Fastfood-Fernsehen


Am Fischgrill der Edelklasse: (v. l.) Frank Plasberg, Karl Lauterbach und Grillmeister Thomas Zapp.Foto:
Am Fischgrill der Edelklasse: (v. l.) Frank Plasberg, Karl Lauterbach und Grillmeister Thomas Zapp.Foto:
(ARD)


Auch Frank Plasberg weiß natürlich, was „Audience Flow“ bedeutet, dass also die Zuschauer von der einen zur anderen Sendung „dranbleiben“, vor allem, wenn es thematisch passt. Offenbar setzte er auf die erhoffte Quote des Clemens-Wilmenrod-Films und thematisierte am Mittwoch in seiner Sendung „Sterneküche im Fernsehen, Pizza auf dem Schoß: Warum wir Europas Moppel-Könige sind“.

Dass er eine Antwort auf dieses „Warum“ schuldig blieb, mag man Plasberg nicht mal vorwerfen. Wohl aber, dass das eigentliche Thema, nämlich welche Ernährung gesund ist und welche nicht und wie man vor allem Kindern beibringen kann, gesund und kultiviert zu essen und zu trinken, auf der Strecke blieb.


Über die beliebte Technik der journalistischen Verkürzung schüttelte Lebensmittelchemiker Udo Pollmer bereits im Vorspann demonstrativ den Kopf: Er fühlte sich mit einer Bemerkung über sein Pendant, den Asketen Karl Lauterbach, falsch zitiert. Pollmer selbst allerdings ist ein wuchtiger Polemiker, der in seinen zahlreichen Fernsehauftritten bei manchem Zuschauer den Eindruck erweckt, dass es sich mit einer üppigen und salzhaltigen Ernährungsweise nicht nur sehr genussvoll, sondern auch sehr lange leben lässt. Hätte man den beiden Kontrahenten Pollmer und Lauterbach, die sich mit kaum nachprüfbaren Bemerkungen beharkten, die Gelegenheit gegeben, eine halbe Stunde lang Argumente auszutauschen, so wäre man der Wahrheit gewiss ein ganzes Stück näher gekommen.

Stattdessen musste ein zweites Polarisierer-Pärchen her: „Feinschmecker“-Chefin Madeleine Jakits brachte zwar das Thema Esskultur ins Spiel, strahlte aber beim Thema Fastfood jene elitäre Haltung aus, die professionelle Köche wie Tim Mälzer nicht nötig haben. Ihre Gegenspielerin Valerie Naumann, die McDonald´s und Co. vertrat, trumpfte hingegen mit der Kenntnis unterschiedlicher Esskulturen auf: sympathisch.

Am Ende konnte Lauterbach, der zwischenzeitlich noch einen Fischgrill-Wettbewerb bestritt, mit der Pointe punkten, er möchte seine Henkersmahlzeit von Udo Pollmer zubereitet haben, damit er bereits beim Essen sterben könne. Doch insgesamt war die Sendung wie ein Burger: Süßlich-lecker, aber nur begrenzt nahrhaft.



26 · 11 · 09





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